Das alte Doktorat ist bald Geschichte

28. Jänner 2009, 15:30
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Ab dem Wintersemester 2009 kann man an der Uni Wien nur mehr das dreijährige "PhD-Studium" gemäß Bolognasystem inskripieren

Wer sich in Zukunft mit "Herr" oder "Frau Doktor" anreden lassen will, an der Uni Wien ein Doktoratsstudium anstrebt, bisher aber noch nicht dafür inskripiert ist, sollte sich beeilen. Denn ab dem Wintersemester 2009 will die Uni Wien auch das Doktoratsstudium an das Bolognasystem anpassen. Wie bereits im Universitätsgesetz 2002 festgelegt, wird die Mindeststudienzeit dann nicht mehr zwei, sondern drei Jahre betragen. Den Universitäten steht es frei, den akademischen Titel "DoktorIn" oder "PhD" (Doctor of Philosophy) zu vergeben. Die Uni Wien plant, den Grad "PhD" zu verleihen, verrät Herbert Hrachovec, Vorsitzender der Curriculakommission im Gespräch mit derStandard.at.

Dissertationsvereinbarung

Darüber, wie die neuen Studienpläne konkret aussehen werden, herrscht noch Unklarheit. Derzeit sind Arbeitsgruppen damit beschäftigt, Curricula für einzelne Fächergruppen auszuarbeiten. Für alle PhD-Studien sollte ein Rahmencurriculum gelten. So müssen künftig PhD-AnwärterInnen ihr Dissertationsvorhaben fakultätsöffentlich präsentieren. Ein Doktoratsbeirat soll dann eine Empfehlung für das Studium abgeben. In dieser Empfehlung könnte etwa festgelegt werden, welche zusätzlichen Lehrveranstaltungen oder Kongresse besucht werden sollen.

Zudem wird eine Dissertationsvereinbarung zwischen Fakultät, Betreuung und DoktorandIn getroffen werden. Weiters ist die klare Trennung zwischen Betreuung und Gutachten angestrebt. Ob die Pläne der Uni Wien umgesetzt werden können, die laut Hrachovec der Qualitätsverbesserung dienen sollen, wird auch vom Budget abhängig sein.

Den neuen Studienplan sehen nicht alle positiv. "Gewisse Kreise" an der Uni Wien, so Hrachovec, wollen nicht "dass sich eine bessere Struktur und ein höhere Anspruch" etabliere. Der Verlust der akademischen Freiheit wird weiters oft als Kritikpunkt genannt. Soweit bekannt, müssten im neuen Doktoratsstudium mehr Zwischenberichte über den Fortschritt vorgelegt werden.

Zugangsbeschränkungen

Derzeit werden Doktoratstudien ohne Zugangsbeschränkungen angeboten. Die Schwierigkeit liegt gerade in Massenfächern darin, eine geeignete Betreuung zu finden und die Diplomarbeit sollte mit "Sehr gut" oder "Gut" beurteilt sein. In der Novelle des Universitätsgesetzes 2002, die Wissenschaftsminister Johannes Hahn noch in der letzten Legislaturperiode vorgelegt hat, ist eine "qualitative Zugangsbedingungen für PhD-StudentInnen" vorgesehen.

Auch in einem Papier der Uni Wien scheint man daran gedacht zu haben. Darin heißt es: "Zur Unterstützung des Reorganisationsprozesses wurde vom Rektorat ein Projekt eingerichtet. Damit soll auch ein möglichst reibungsloser Übergang im Falle einer UG Novellierung im Bereich des PhD sichergestellt werden. Zitat Regierungsprogramm für die XXIV. Gesetzgebungsperiode , S 205: Im Bereich der PhD-Studienprogramme sollen autonome, leistungsorientierte Auswahlverfahren durch die Universitäten erfolgen können."

Übergangsphase bis 2017

Wer für das "Doktorat alt" inskripiert ist, hat bis 2017 Zeit, dieses abzuschließen. Dem neuen Studium streut Hrachovec Vorschußlorbeeren: "Wenn es gut geht, wird ein PhD-Abschluss mehr Gewicht haben und mehr Prestige genießen". (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 28. Jänner 2009)

 

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