Börsianer sehen Übernahmegefahr

20. Jänner 2009, 15:48
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Gerüchte über kursbedingte Probleme bei Haupteigentümer Stiftung zurückgewiesen

Wien - Die Aktie der Erste Group ist am Dienstag unter 11 Euro gesunken und damit auf ein Achtjahrestief. Marktteilnehmer sprachen im "Börse-Express" (BE) am Nachmittag vor diesem Hintergrund von Übernahmegefahr.

Der Kursrutsch des Titels unter 11 Euro lasse nicht nur den Börsewert auf 3,6 Mrd. Euro schrumpfen, am Markt würden auch Vermutungen gestreut, wonach Erste Group-Großaktionär "Die Erste österreichische Spar-Casse Privatstiftung" durch den Kursverfall in Schwierigkeiten kommen könnte - wie viele andere Investoren auch, die ihre Aktienpakete auf Kredit finanziert haben, schreibt der Onlinedienst. Die Erste selbst beruhigt, keine Rede von Problemen.

Privatstiftung

Die Privatstiftung, die 31,1 Prozent der Erste Group hält, hat nach Angaben von November rund 1 Mrd. Euro an Schulden ausstehen. Der Kredit stammt aus der Zeit der Fusion mit der GiroCredit, die Stiftung zog naturgemäß bei Kapitalerhöhungen immer wieder mit. Kreditgeber ist nach Erste-Angaben ein Konsortium nationaler und internationaler Banken. Die Bank wies im BE auch sämtliche Spekulationen, wonach die Privatstiftung durch die fallenden Aktienkurse unter Druck kommen und möglicherweise Aktien verkaufen müsste, strikt zurück. Es gebe keinerlei Schwierigkeiten, die Stiftung bediene ihre Schulden problemlos, so Bank-Sprecher Michael Mauritz.

Unterdeckung

Marktteilnehmer wiesen im Börse-Express darauf hin, dass - würde man übliche Belehnsätze eines Wertpapierportfolios zugrunde legen - wohl eine Unterdeckung bestünde. Aktien könnten meist zu 50 bis 70 Prozent belehnt werden, und ein Portfoliowert von rund 1,11 Mrd. Euro (dem Paketumfang entsprechend) würde nach Berechnungen des BE demnach einem Belehnwert zwischen 550 Mio. und knapp 800 Mio. Euro entsprechen. Auch wenn das für die Privatstiftung nicht gelten sollte, erscheine die Bank vor diesem Hintergrund für eine Übernahme angreifbarer, werden ungenannte Marktteilnehmer zitiert. Ob das im aktuellen Umfeld - sämtliche Banken weltweit haben mit fallenden Kursen, toxischen Assets, Wertberichtigungen und gestiegenen Kapitalanforderungen zu kämpfen - eine Rolle spielen könnte, sei aber fraglich. Der anhaltende Kursrutsch der Aktie spreche jedenfalls nicht dafür. (APA)

 

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