"Die Farbe der Wut und des Kommunismus"

20. Jänner 2009, 14:54
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Lehrer in Rumänien tragen zu wenig zur Aufarbeitung der roten Vergangenheit bei - Die Ausstellung zum Jugendwettbewerb wurde in Wien eröffnet

Wien/Bukarest – Trotz des Sturzes der Ceauºescu-Diktatur vor 20 Jahren ringe Rumäniens Gesellschaft mit massiven Problemen. "Es gibt eine Polarisierung zwischen reich und arm. Außerdem sind die Menschen immer noch passiv, sie möchten ihre Rollen in der Gesellschaft zugeteilt bekommen", sagt Raluca Gropescu vom "Institut für die Aufarbeitung der Verbrechen des Kommunismus" in Bukarest.

Gropescu leitet einen Wettbewerb, der die Jugend Rumäniens heuer aufgefordert hat, sich künstlerisch mit der kommunistischen Vergangenheit ihres Landes auseinanderzusetzen. Aus 4000 Beiträgen wurde eine Ausstellung, die durch Europa tourt. Anlässlich des Projekts "Romania 20 Years After" vom rumänischen Kulturinstitut in Wien ist sie derzeit im Dschungel Wien zu sehen.

Der Umgang mit dem Thema Kommunismus ist an Schulen immer noch mangelhaft, kritisiert Gropescu. Es gibt zwar Programme zur Aufbesserung dieser Situation, aber das sei nicht genug. "Die Lehrer erzählen dir, dass du unbedingt wählen musst, tun es aber selbst nicht", so Gropescu weiter.

Den Grund dafür sieht sie vor allem darin, dass das alte System noch immer einen großen Einfluss ausübe. Allerdings betont sie auch, dass es "momentan eine wundervolle Dynamik in Rumänien gibt. Wir hatten einen wirtschaftlichen Aufschwung, vieles ändert sich."

Einige der jungen Künstler sind zur Ausstellungseröffnung von Rumänien nach Wien gekommen, der SchülerStandard sprach mit drei der Teilnehmer.

SchülerStandard: Welche Beiträge habt ihr zur Ausstellung gestaltet?

Radu Pop: Die Idee war, die Charakterzüge des Kommunismus zu zeichnen. Einer von ihnen ist für mich der Überwachungsmechanismus, mit dem man Menschen dazu gebracht hat, sich gegenseitig zu verraten. Dieser Effekt wird dadurch verdoppelt, dass diese vom Staat entlohnt werden.

Deshalb habe ich entschieden, sie in einer symbolischen Kette zu malen, drei Figuren ohne Gesichter. Eine von ihnen hat nur ein Auge und sieht, erzählt alles der zweiten Figur hat, die nur einen Mund hat, diese gibt es weiter an den Polizisten, er hat nur ein Ohr.

Bogdan Topîrceanu: Ich habe ein kleines Mädchen gemalt, die einen Ballon hält, als Symbol für Unschuld, in der klassischen Tracht dieser Zeit. Sie sieht in den Horizont, normalerweise repräsentiert er Hoffnung, aber hier ist er von Fabriken, Rauch und Regen gefüllt.

Roxana Irina Rusu: Ich habe drei Köpfe gemalt, einer hat die russische Flagge, der zweite die der DDR, und Rumänien ist die dritte Flagge. Die Gesichter sind rot, weil Rot die Farbe der Wut und die Farbe des Kommunismus ist.

Unten rechts ist ein Panzer, der doppeldeutig ist, weil er Schutz bedeutet, aber auch zerstört. Im Hintergrund sind Gebäude, sehr dunkel und eine weiße Taube, aber sie ist verletzt. Das zielt darauf ab, dass der Kommunismus auch jetzt noch hintergründig existiert.

SchülerStandard: Habt ihr euer Wissen zum rumänischen Kommunismus von euren Eltern?

Pop: Wir mussten nicht darüber sprechen. Das sind Dinge, die die Menschen uns erzählen, denn sie haben es alle erlebt, so etwas hinterlässt Narben.

Meinen Beitrag zum ersten Kunstprojekt dieser Art haben meine Eltern ignoriert, das ist ziemlich dramatisch. Sie reden einfach nicht darüber. Das ist ein großes Problem, die Leute sind zu introvertiert. Obwohl wir frei sind, wissen wir nicht, was wir mit unserer Freiheit tun sollen. Wir tun einfach so, als wären wir zu dumm dafür. (Bath-Sahaw Baranow, Magdalena Legerer/DER STANDARD Printausgabe, 20. Jänner 2009)

  • Roxana Irina Rusu, Radu Pop und Bogdan Topîrceanu (geb. 1991, auf dem
Foto von li.) haben sich an der Ausstellung "Romania 20 Years After"
beteiligt.
    foto: dschungel wien

    Roxana Irina Rusu, Radu Pop und Bogdan Topîrceanu (geb. 1991, auf dem Foto von li.) haben sich an der Ausstellung "Romania 20 Years After" beteiligt.

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