Afrikanische Gemeinschaft in Österreich fordert "autonome" Vertretung

20. Jänner 2009, 14:36
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Auf politischer Ebene - "Hautfarbe soll keine Rolle spielen" - Ruf nach wirksamem Anti-Diskriminierungs-Gesetz

"Die Wahl (Barack) Obamas (zum neuen US-Präsidenten) war wie ein Sieg über jahrelang unbegründeten Rassismus gegen Afrikaner weltweit", freut sich die Künstlerin mit afrikanischen Wurzeln Grace Latigo. Sie äußerte am Dienstag in Wien bei einer Pressekonferenz der afrikanischen Gemeinschaft in Österreich die Hoffnung, dass "in 20 Jahren die Hautfarbe keine Rolle spielen" wird. Noch gibt es in Österreich aber laut Vertretern der Gemeinschaft viel Verbesserungsbedarf: Ein wirksames Anti-Diskriminierungs-Gesetz, Eigendarstellung und Medienpräsenz von Afrikanern, ein Ende von Rassismen in der Sprache, härtere Bestrafungen für rassistische Diskriminierungen, sowie unter anderem den finanziell geförderten Aufbau von "autonomen Strukturen" für eine "Vernetzungsarbeit" und politische Vertretung von Afrikanern in Österreich.

"Alle Menschen sollen unabhängig von ihrer Hautfarbe eine Chance haben", forderte Temitope Oladunjoye vom Pan African Forum in Österreich. Es fehle eine "gemeinsame Initiative" von Minderheiten-Vertretern und der Mehrheitsgesellschaft. Die Frage sei weniger, ob oder wann die Wahl eines afrikanischen Präsidenten auch in Österreich möglich wäre, sondern: "Wann wird ein dunkelhäutiger Mensch als gleichwertiger Staatsbürger gesehen?" Personen mit Migrationshintergrund sollten in der Gesellschaft und auf der politischen Bühne "Mitsprache haben". Dabei sei die Qualität dahinter wichtig, nicht nur die Hautfarbe.

In Österreich sei man"nicht so weit wie in Amerika"

Die Aussagen des Kärntner Landeshauptmanns Gerhard Dörfler in Zusammenhang mit Menschen dunkler Hautfarbe seien eine "Respektlosigkeit an sich", meinte Gertrud Aquea Lamptey von der Organisation Pamoja ("Zusammen" auf Suaheli). Das "N-Wort" sowie die Bezeichnung "Schwarzafrikaner" sollten ihrer Meinung nach nicht mehr verwendet werden. In Österreich sei man "zum jetzigen Zeitpunkt nicht so weit wie in Amerika". "Jemand wie Dörfler" solle sich "das nicht mehr erlauben dürfen", forderte auch Latigo "mehr Respekt" gegenüber Afrikanern ein.

"Obama hat allen gezeigt, wenn man etwas erreichen will, muss man dafür kämpfen und an sich glauben. Nirgendwo in der Welt ist das leicht", sagte Clement Itama vom Afrikanischen Integrationsbeirat in Wien, der aber nicht für die Stadt Wien sprach. Es gebe auch "Uneinigkeiten" in der afrikanischen Gemeinschaft in Österreich. Itama forderte zu mehr Übereinstimmung und Eigeninitiative der Gemeinschaft auf.

"Beweislast-Umkehr" sollte diskutiert werden

Bei der Option eines afrikanischischen Politikers in Österreich komme es darauf an, wie die Parteien in Österreich darauf reagieren würden, und wie sie das ihren Wählern kommunizierten. Das interne Networking sei aufgrund der Partei-Hierarchien wichtig. "Ein Afrikaner hat es aufgrund seiner Hautfarbe doppelt schwer, bevor er als Nationalrats-Abgeordneter aufgestellt wird", so Itama. Bezüglich des Anti-Diskriminierungs-Gesetzes solle die "Beweislast-Umkehr" diskutiert werden, bei der das Opfer beweisen müsse, dass es diskriminiert wurde.

"Wo gibt es afrikanische Busfahrer oder Polizisten?", plädierte Kojo Taylor vom Pan African Forum in Österreich dafür, Personen mit afrikanischen Wurzeln vermehrt im Staatsdienst zu beschäftigen. "Wir müssen uns intern und mit der Mehrheitsgesellschaft vernetzen", so Taylor, der seinen Traum schilderte: "Die Hautfarbe soll keine Rolle mehr spielen." (APA)

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