Forscher: Den "Todeskampf" des Wilkins-Schelfeises beobachten

20. Jänner 2009, 14:52
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Die Eisfläche in der Antarktis könnte jederzeit abbrechen - "eine Folge des Klimawandels"

Wilkins-Schelfeis - Das riesige Wilkins-Schelfeis in der Antarktis steht Experten zufolge kurz vor dem Abbruch. "Es könnte eigentlich jede Minute geschehen", sagte der britische Forscher David Vaughan der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vor Ort - auf dem Eis.

Die Region hatte früher eine Fläche von etwa 16.000 Quadratkilometern. Inzwischen ist sie um etwa ein Drittel geschrumpft. Drastischer noch ist das Abschmelzen der Eiszunge, die die riesige Scholle noch festhält. War sie 1950 noch 100 Kilometer breit, hat sie inzwischen die Form einer Sanduhr, die an ihrer schmalsten Stelle nur 500 Meter misst.

"Todeskampf"

"Wir sind zum Wilkins-Schelfeis gekommen, um seinen Todeskampf zu beobachten", sagte Vaughan. In den vergangenen 50 Jahren sind neun andere Schelfeis-Flächen in der Antarktis abgebrochen oder geschrumpft. Oft geschieht dies plötzlich, wie bei Larsen A im Jahr 1995 oder Larson B 2002. Insgesamt sind 25.000 Quadratkilometer Eisfläche verloren gegangen.

Entsprechend haben sich die Umrisse des südlichsten Kontinents geändert. Dies sei eine Folge des Klimawandels, sagte Vaugan. Das Wilkins-Schelfeis ist bereits von Eisbergen umgeben, die von ihm losgebrochen sind. Eigentlich sei schon 2008 mit dem Zusammenbruch gerechnet worden. "Wenn es im vergangenen Jahr an einem seidenen Faden hing, hängt es inzwischen an einer Faser", so Vaugan abschließend. (APA/Reuters)

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    Blick auf eine Eisklippe des riesigen Wilkins-Schelfeises - der Abbruch steht bald bevor, so ein Forscher.

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