Zugtickets über Handy - ÖBB und Mobilkom starteten neue Testphase

20. Jänner 2009, 13:35
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Derzeit kaufen 3 Prozent der Bahn-Kunden Fahrschein über Mobiltelefon oder Internet - Neue NFC-Technologie mit mehr Benutzerfreundlichkeit - Mittlerweile A1-Empfang auf Westbahn

Seit nunmehr zehn Jahren können ÖBB-Kunden Fahrscheine übers Mobiltelefon kaufen. Trotzdem ordern derzeit erst rund 3 Prozent der heimischen Bahnfahrer ihr Ticket via Internet oder Handy. 2007 brachten ÖBB, mobilkom (A1) und Nokia NFC (Near Field Communication) auf den Markt. Über diese drahtlose Übertragungstechnologie können Fahrscheine gelöst und per SMS zugestellt werden. Die praktische Handhabe gestaltete sich jedoch kompliziert. Heute, Dienstag, starteten die Staatsbahn und A1 den dreimonatigen Testbetrieb für die neue Generation des NFC-Handy-Ticketing, mit der die Benutzerfreundlichkeit steigen soll, die aber nur mit noch rar gesäten NFC-fähigen Handys funktioniert.

Kontrolle

Die Kontrolle der "alten" NFC-Tickets im Zug dauerte etwa eine Minute, sagte ÖBB-Personenverkehrschefin Gabriele Lutter vor Journalisten. Die Schaffner mussten nämlich einen 18-stelligen Code vom Kunden-Handy händisch in ihr Gerät eintippen. Mit der neuen Anwendung dauere die Validierung nur mehr eine Sekunde. Für das Auslesen brauche der Zugbegleiter mit seinem NFC-Handy das Mobiltelefon des Fahrgastes nur kurz berühren. Außerdem können Tickets nicht verloren gehen und seien auch bei leerem Akku oder während eines Telefonats belegbar.

Der Ticket-Kauf soll ebenfalls vereinfacht werden. Der Buchungsvorgang könne über eine dem NFC-Handy beigelegte Plastikkarte oder einen NFC-Touchpoint am Bahnhof gestartet werden. Die Fahrscheine werden dabei im sogenannten Secure Element des NFC-Handys gespeichert, sagte Hannes Ametsreiter, Marketing-Vorstand der mobilkom und neuer Telekom-CEO. Die Anwendung für das NFC-Handy setze auf dem Standard für Chipkarten-Ticketing, VDV-KA, auf, der vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Herstellern entwickelt wurde. Die ÖBB-Handy-Tickets können auch via SMS weiterhin bestellt werden. Derzeit funktioniert das NFC-Ticketing nur mit Nokia-Handys.

Pilot

In dem Pilotprojekt werden rund 100 Kunden und 100 Schaffner mit eigens konfigurierten Telefonen auf den Strecken Wien-Krems und Wien-Gmünd die neue Technologie testen. Wie es nach dem Probelauf weitergeht, sei noch ungewiss, so Lutter. Der kommerzielle Launch der nächsten NFC-Generation sei auch abhängig von der Verfügbarkeit entsprechender Handys. Wieviel eine Umrüstung auf die Nahfunktechnik kosten würde, wollte die Vorstandssprecherin nicht verraten. Ametsreiter glaubt, dass es auch im Veranstaltungsbereich Interesse für NFC gibt. Mittelfristig sollen Informationen wie ÖBB-Tickets nicht mehr auf einem Chip im Handy, sondern auf der SIM-Karte abgelegt werden. Bis alle ÖBB-Handy-Tickets via NFC erworben werden, dauert es Lutter zufolge noch etwa 10 Jahre.

Bis dahin können sich Bahnfahrer ihre Zeit im Zug mit Telefonieren vertreiben - zumindest auf der Westbahn. Dank Investitionen von 7 Mio. Euro vor rund eineinhalb Jahren hätte die mobilkom das Handy-Netz-Problem behoben, erklärte Ametsreiter. Mit A1 funktioniere das Telefonieren jetzt "gut". Momentan würde gerade das Netz zwischen Wien und Wiener Neustadt ausgebaut. Auf vielen anderen Strecken heißt es wohl weiterhin "kein Empfang". "Topographisch schwierig" sei etwa der Semmering. Laut einem mobilkom-Sprecher würden sich hier der Netzausbau nicht auszahlen, weil rund um die Bahnstrecke wenig Menschen wohnen. "Wir arbeiten an den wichtigsten Strecken", so der Sprecher. (APA)

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