Opfer klagen vor Oberstem Gericht

20. Jänner 2009, 13:15
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Wegen fehlender oder zu geringer Entschädigungszahlungen

Im Skandal um verseuchte Babymilch in China haben mehr als 200 Angehörige von verstorbenen oder erkrankten Kindern Klage beim Obersten Gerichtshof wegen fehlender oder zu geringer Entschädigungszahlungen eingereicht. Einer der Kläger, der Bauer Chang Ling aus der südwestlichen Stadt Chongqing, dessen 18-monatiges Baby im vergangenen August starb, sagte am Dienstag in der Nachrichtenagentur AFP, er habe keinerlei Entschädigung bekommen. Die Behörden hätten noch nicht einmal anerkannt, dass sein Kind durch die dem Milchpulver beigemengte gefährliche Chemikalie Melamin gestorben sei.

Laut Chang klagen insgesamt 213 Familien vor dem Obersten Gericht Chinas. Ein ehrenamtlicher Betreuer der Kläger, Lin Zheng, sagte, Familien, deren Kinder durch die Melamin-Beimengung starben, verlangten zwischen 500.000 und 600.000 Yuan (56.500 bis 77.600 Euro). Solche, deren Kinder schwere Nierenschäden davontrugen, wollten mehr als 600.000 Yuan. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass die erkrankten Kinder noch sehr lange "unter den schmerzhaften Konsequenzen zu leiden" hätten und hohe medizinische Folgekosten verursachten. Zu den Klagen hätten sich die Betroffenen entschlossen, nachdem sie in allen anderen Instanzen gescheitert seien.

Der Skandal um verseuchte Milchprodukte war im vergangenen September publik geworden. Nach Behördenangaben starben sechs Neugeborene, 294.000 Kinder erkrankten zum Teil schwer. Mit der Industriechemikalie Melamin sollte bisherigen Erkenntnissen zufolge ein höherer Proteingehalt der Milch vorgetäuscht werden. Laut einer Anordnung der Regierung vom Dezember sollen 22 in den Skandal verwickelte Firmen umgerechnet 123 Millionen Euro in einen Fonds zur Entschädigung der betroffenen Familien zahlen. (APA/AFP)

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