Tanten

20. Jänner 2009, 12:40
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Ein Griff in die Scherzkiste

Hinweisen möchte ich auch darauf, dass das Wort Tanten nicht nur zur Bezeichnung der Schwestern von Mutti oder Vati im Umlauf ist, sondern auch als Einschub hinter dem Wort Mitnichten (Mit Nichten!), der, wenn er denn ins Gespräch eingebracht wird, den Einschiebenden sofort als eine Person von heiterer, einem Scherzchen nicht abgeneigter Wesensart erscheinen lässt."Warst Du gestern im Theater?" "Mitnichten und Tanten. Du weißt doch, dass ich nur ins Kino gehe". "Borgst Du mir zwanzig Euro?" "Mitnichten und Tanten. Du zahlst Deine Schulden doch nie zurück".

Es versteht sich, dass der Tanten-Scherz die strikte Verwendung des Wortes Mitnichten (Mit Nichten!) voraussetzt. Wenn man ihn mit Mitnichten-Synonymen (Keineswegs, Ganz und gar nicht, nie und nimmer etc.) durchführen wollte, geht der Scherz mangels Nichten garantiert in die Hosen. Formulierungen wie "Keineswegs und Tanten", "Ganz und gar nicht und Tanten" oder "Nie und nimmer und Tanten" setzen den, der sie verwendet, dem Verdacht aus, dass er mitnichten bei Sinnen, sondern nicht mehr ganz dicht sei.

Für den Fall, dass auch die p. t. Leser neue linguistische Objekte in ihrer Scherzkiste vorrätig haben: Ich bitte um Mitteilung.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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