BMW schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit

20. Jänner 2009, 13:26
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26.000 Mitarbeiter in Deutschland sind von der Maßnahme betroffen, das Werk in Steyr bleibt verschont

München - BMW schickt jeden dritten Mitarbeiter in seinen deutschen Autowerken in Kurzarbeit. Wegen des Nachfrageeinbruchs müssten 26.000 BMW-Beschäftigte an den bayerischen Standorten Dingolfing, Regensburg und Landshut im Februar und März zeitweise zu Hause bleiben, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. BMW-Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch sprach von einem guten Kompromiss in schwierigen Zeiten. Die IG Metall befürchtet allerdings massive Auswirkungen auf die Beschäftigung bei Zulieferern.

Das BMW-Motorenwerk in Steyr sei nicht von der punktuellen Kurzarbeit betroffen, erklärte ein Sprecher der Fabrik am Dienstag. Nach wie vor würden "alle Flexibilitätsinstrumente" genutzt. Dazu gehörten u.a. "der Abbau von Zeitkonten und vorausschauende Urlaubsplanung, Nutzung innovativer Arbeitszeitmodelle und punktuelle Produktionsunterbrechungen".

Der Absatz von BMW ist seit September massiv eingebrochen, allein im Dezember fiel er um 26 Prozent. Nach der verlängerten Weihnachtspause kündigte BMW jetzt Kurzarbeit für 15.000 Beschäftigte im größten BMW-Werk Dingolfing, 8.000 in Regensburg, 2.700 in Landshut sowie 190 Mitarbeiter in Berlin an. Damit ist jeder dritte der 75.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland von Zwangspausen betroffen. Der mit dem Betriebsrat vereinbarte Kompromiss "erlaubt die notwendigen Volumenanpassungen und sichert die Arbeitsplätze der Mitarbeiter", erklärte Schoch.

Keine Kündigungen

Die Beschäftigten erhielten weiterhin "mindestens 93 Prozent ihres bisherigen Nettogehalts", sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer und betonte: "Betriebsbedingte Kündigungen sind bei BMW kein Thema." Das sei per Betriebsvereinbarung bis 2014 ausgeschlossen. Mit der Streichung einzelner Schichten, vorgezogenen Wochenenden oder verlängerten Faschingsferien sollen im Februar und März insgesamt 38.000 Autos weniger gebaut werden, erklärte BMW-Sprecher Michael Rebstock.

Die IG Metall befürchtet massive Belastungen für Zulieferbetriebe. Mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 250 Beschäftigten könnten sie nicht wie Großbetriebe mit Arbeitszeitkonten oder Überstundenabbau flexibel reagieren. Außerdem fehle mittleren und kleineren Unternehmen oft die nötige Kapitaldecke, und sie seien von der schleppenden Kreditvergabe der Banken besonders betroffen, erklärte die Gewerkschaft. Die bayerische Regierung müsse rasche einen eigenen Mittelstandsschirm aufspannen, statt auf die Berliner Regierung zu warten.

Neugebauer äußerte auch die Hoffnung, dass die Abwrackprämie den Neuwagenverkauf ankurbeln und zur Stabilisierung bei BMW beitragen könne. Konzernsprecher Rebstock sagte allerdings, typische BMW-Kunden seien eher selten mit einem neun Jahre alten Auto unterwegs und mit 2.500 Euro Prämie zum Kauf eines neuen BMW zu gewinnen. (APA/AP)

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