"Heute endet der Rassismus"

20. Jänner 2009, 10:08
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El Mundo: "Mit dem Amtsantritt schlägt die Stunde einer 'sanften Macht' in einer harten Welt"

Rom/Budapest/Amsterdam/Rom/Paris/Madrid - Die römische Tageszeitung "La Repubblica"meint am Dienstag zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama:

"Am heutigen Nachmittag endet im so draußen so klirrend kalten und drinnen so wärmenden Washington die offizielle Geschichte des Rassismus in den USA. Mit Barack Obama endet die Annahme von der moralischen, religiösen und kulturellen Überlegenheit einer Hautfarbe. Wenn Obama in seiner Rede zur Amtseinführung an die Einheit und die Einzigartigkeit des amerikanischen Volkes appelliert, die "gemeinsame Verantwortung" herausstreicht und nicht die Opfer-Haltung oder den militanten schwarzen Revanchismus, dann wird ein Kapitel der Menschheitsgeschichte endgültig geschlossen. Barack Obama hat diesen Rassen-Frieden zugleich ausgelöst und wirksam werden lassen, der sich heute vom Kapitol in Washington aus ausbreitet."

"Magyar Hirlap" (Budapest):

"Auch die prächtige Amtseinführung wird in Washington nicht vergessen lassen, dass Obama der erste amerikanische Präsident der postamerikanischen Weltordnung sein wird. Denn die 1990 vorausgesagte Welt mit nur einem Machtpol ist nicht entstanden. Zwar ist die Geschichte nicht an ihrem Ende angekommen, sondern sie scheint eher zu ihrem im 18. und 19. Jahrhundert abgebrochenen Lauf zurückzukehren. Abermals ist die Weltpolitik kein moralischer Kampf zwischen Gut und Böse, sondern das Terrain pragmatischer Interessensgegensätze. (...) Und weil die Welt nicht schwarz-weiß ist, gibt es a priori keine gute und schlechte Antwort. Die Debatten kann man auch nicht als liberaler Messias auslöschen, sondern sie müssen an großen runden Tischen geführt werden."

"De Telegraaf" (Den Haag):

"Die Wahl Obamas zum US-Präsidenten zeigt, dass der klassische amerikanische Traum lebendig ist, wonach jeder unabhängig von seiner Herkunft oder Hautfarbe alles werden kann. Aber der neue Präsident beginnt seine Arbeit in einer sehr schweren Zeit. Sein Vorgänger George Bush hat dem Land eine Reihe von schweren internationalen Problemen aufgesattelt. So gibt es im Irak, wo ein Rückzug der amerikanischen Truppen abgesprochen ist, keine Garantie für Ruhe und Stabilität. Und in Afghanistan ist der notwendige Kampf gegen muslimische Extremisten sehr mühsam. Wie das Gefangenenlager Guantánamo aufgelöst werden kann, ist noch unklar. Und obendrein ist Obama konfrontiert mit der Situation im Gaza-Streifen. Als Bündnispartner Israels muss Amerika eine Rolle spielen bei der dauerhaften Überwindung des Nahost-Konflikts."

"Le Monde" (Paris):

"Obama wird ein amerikanischer Präsident sein, der die wirtschaftlichen und strategischen Interessen seines Landes verteidigt. Kein internationaler Aktivist, der sich um die vielfachen Krankheiten der Welt dieses Anfangs des 21. Jahrhunderts kümmert. Doch schon seine Anwesenheit im Weißen Haus zieht Amerika hoch. (...) Seine Geschichte - seine komplexe Herkunft, seine Jahre in Indonesien - haben seine Wahrnehmung der Welt geprägt. Er weiß, dass die Welt die USA nicht immer so sieht wie sie sich selbst. Das ist meilenweit entfernt von dem engstirnigen und ungebildeten Patriotismus der vorherigen Mannschaft. Obamas Wahlkampf hat einen vernünftigen Mann offenbart, der zuhört, zweifelt, Vorsicht walten lässt und sich anderen öffnet. Wir sind fern von George Bush, der seine Unsicherheit hinter der Fassade manichäischer Sicherheiten verbarg. Kurz: Das fängt gut an."

"El Mundo" (Madrid):

"Mit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten schlägt die Stunde einer 'sanften Macht' in einer harten Welt. Barack Obama bewies bisher, dass seine größte Qualität darin besteht, in schwierigen Zeiten Hoffnung und Optimismus zu verbreiten. Mit dieser Fähigkeit allein löst man noch keine Probleme, aber sie kann sich als ein wichtigster Trumpf erweisen. Sie kann sehr nützlich sein bei der Bewältigung einer der vordringlichsten Aufgaben, nämlich der Aufbesserung des ramponierten Ansehens der USA. Acht Jahre lang hatten die USA die Welt in Gute und Böse aufgeteilt und waren militärisch unilateral vorgegangen. Wenn sie weltweit eine Führungsmacht bleiben wollen, sollten sie der Macht der Diplomatie vertrauen." (APA/dpa)

 

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