VIG und ARAG wollen gemeinsam Markt in Osteuropa aufrollen

20. Jänner 2009, 14:05
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Die seit langem erwartete Zusammenarbeit der Vienna Insurance Group (VIG) mit der ARAG Rechtsschutzversicherung steht nun

Wien - Als neue Nummer 1 bei Rechtsschutzversicherungen in Österreich wollen Vienna Insurance Group (VIG) und die deutsche ARAG-Gruppe gemeinsam den osteuropäischen Markt aufrollen und auch dort eine führende Position einnehmen. In zehn Jahren will man in dieser Sparte 500 Mio. Euro jährlich einnehmen, zuletzt waren es 84 Mio. Euro. Die VIG bringt ihren Bestand in die neue "ARAG Österreich", die damit auf über 22 Prozent Marktanteil kommt. VIG und ARAG hatten eine Kooperation seit rund einem Jahr ausgelotet. Im Detail soll das 50:50-Joint-Venture bis Sommer ausverhandelt sein.

Das Rechtsschutz-Geschäft ist offenbar ein recht lukratives: Bei der ARAG in Österreich sei die Combined Ratio - die Summe aus Kosten und Leistungen gemessen an den Einnahmen - 2008 "deutlich unter 100 Prozent" gelegen, hieß es am Dienstag bei der offiziellen Präsentation durch VIG-Generaldirektor Günter Geyer und dem deutschen ARAG-Konzernchef Paul-Otto Faßbender. ARAG Deutschland habe das versicherungstechnische Ergebnis 2008 um 36 Prozent auf 66 Mio. Euro steigern können. Geyer sagte zur entsprechenden VIG-Sparte mit zuletzt 40 Mio. Euro Bestandsprämie, man sei technisch "sehr positiv", Details könne man erst nächste Woche nennen.

Insgesamt lag das Prämienvolumen der Rechtsschutzversicherungen in Österreich 2007 bei knapp 380 Mio. Euro. Bei 186 Mio. Euro Leistungen betrug der Schadensatz 49 Prozent. Generali und D.A.S. lagen 2007 mit 17,1 bzw. 14,6 Prozent Marktanteil an der Spitze, gefolgt von Allianz, ARAG und UNIQA mit jeweils rund 11 Prozent, gefolgt von Wiener Städtischer (VIG) mit 6,6 und Donau mit 4,7 Prozent.

Lette of Intent

Der Kooperation von VIG und ARAG liegt ein Letter of Intent zugrunde. Die Absichtserklärung hätte man schon früher unterzeichnen könne, wäre da nicht die Finanzkrise: "Die hat in den beiden Häusern in den letzten Monaten ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert", sagte Faßbender am Dienstag. Der Abschluss der Gespräche über den Aufbau eines Geschäftsmodells für den österreichischen Markt sowie für die CEE-Länder, in denen die VIG Group vertreten ist, ist bis Sommer 2009 geplant. Grundsätzlich strebe man eine 50:50-Aufteilung an, es könnte in einzelnen Ländern aber auch einer der Partner die Mehrheit halten, so Geyer, etwa in Slowenien, wo ARAG Österreich bereits beim Markteintritt die Führung innehatte.

Die deutsche ARAG-Gruppe ist weltweit der drittgrößte Rechtsschutzversicherer, in Spanien und Italien "die klare Nummer 1", so Faßbender. Zuletzt verzeichnete die ARAG knapp 1,4 Mrd. Euro Beitragseinnahmen. Von den mehr als 3.300 Beschäftigten sind 42 Prozent außerhalb Deutschlands tätig. In Europa ist die ARAG als "lupenreines deutsches Familienunternehmen" (Faßbender) in 13 Ländern vertreten. Zudem deckt man den gesamten US-Markt als Erstversicherer und durch übernommenes Geschäft ab.

Besonders gute Marktchancen in CEE sieht VIG-Chef Geyer in der Slowakei und in Slowenien: "Dort ist jedes zweite bzw. dritte Auto bei uns versichert, da sind wir sehr stark aufgestellt." In Österreich liege die Rechtsschutz-Dichte bei 45 Euro pro Person und Jahr, so Geyer; im CEE-Raum könnte in zehn Jahren etwas mehr als die Hälfte dieses Niveaus erreicht sein. Für die ARAG wäre die 500-Mio.-Euro-Perspektive der größte Auslandsmarkt, noch vor den USA.

Zu den Ergebnissen 2008 wollte sich VIG-Chef Geyer am Dienstag noch nicht äußern; die vorläufigen Zahlen sollen in einer Woche bekannt gegeben werden. Heute teilte er lediglich mit, dass die Ringturm KAG zu 95 Prozent an die Erste Group veräußert wurde, dass die VIG alle ihre Privatklinik-Viertelanteile an die UNIQA abgegeben hat und in Osteuropa in zunächst fünf Ländern mit der privaten Krankenversicherung startet. Einen Grund, für die VIG, die Inanspruchnahme einer Staatshilfe jetzt näher zu prüfen, sieht Geyer nicht, wie er laut Mittags-"ZiB" des ORF-Fernsehens sagte. Die Aktie notierte am frühen Nachmittag bei 22,50 Euro, unverändert zum Vortag. (APA)

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