Geheimagent soll Polizei gewarnt haben

20. Jänner 2009, 09:26
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Verfassungsschutz war laut "Falter" bereits im Juni über bevorstehenden Politmord informiert - Konkrete Ansuchen um Personenschutz sollen vorliegen - Human Rights Watch kritisiert Behörden

Wien - Der Wiener Verfassungsschutz soll bereits seit Juni vergangenen Jahres über den bevorstehenden Mord am tschetschenischen Flüchtling Umar I. informiert gewesen sein. Dies berichtet der "Falter" in seiner Mittwoch-Ausgabe. Darin beruft sich die Zeitung auf einen geheimen Polizeiakt, laut dem nicht nur eine Menschenrechtsorganisation und das spätere Opfer, sondern auch ein tschetschenischer Agent die Exekutive auf die Gefahr aufmerksam gemacht haben soll. Werner Autericky, Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT), war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.

Laut "Falter" bat bereits am 20. Juni des Vorjahres ein Agent des Tschetschenischen Geheimdienstes den Verfassungsschutz um Hilfe. Er soll angegeben haben, für den tschetschenischen Präsidenten zu arbeiten und den Auftrag zu haben, Umar I. "verschwinden zu lassen". Nach Angaben des Agenten standen im Juni bereits zwei weitere Agenten in der Slowakei bereit, um den Auftrag auszuführen. Die Wiener Beamten sollen es aber abgelehnt haben, den Flüchtling I. in Sicherheit zu bringen.

Entgegen bisheriger Polizeiangaben sollen die Anwälte von Umar I. auch mehrfach um Personenschutz angesucht haben, zuletzt am 7. Jänner 2009, sechs Tage vor dem Mord. Auch eine Menschenrechtsorganisation soll beim Bundesamt für Verfassungsschutz bereits Anfang Juni vor der Gefahr gewarnt haben.

Human Rights Watch: Kritik an Behörden

"Die österreichischen Behörden hätten einiges, aber offenbar nicht genug getan, um Umar I. zu schützen, obwohl sie wussten, dass er in Gefahr war", meint Rachel Denber von der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gegenüber dem Ö1-Morgenjournal. Denber: "Ich hoffe stark, dass die Österreichischen Behörden diesen Fall umfassend untersuchen und dabei allen Spuren nachgehen. Wenn sie nach Russland führen, muss Österreich dort mit Nachdruck Zusammenarbeit fordern. Die oberste Priorität muss sein den Mörder zu finden, und ich sehe nicht, warum das die guten Beziehungen zwischen Russland und Österreich beeinflussen sollte." (APA/red)

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