"Die SPÖ weiß natürlich schon, was drinnen steht"

19. Jänner 2009, 20:15
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Nachdem der Chef der Wiener Hausbetreuung kurz vor Abschluss einer Kontrollamtsprüfung geschasst worden ist, wartet die Opposition gespannt auf den Bericht der Prüfer und vermutet grobe Verfehlungen

Wien - Familie Müllers Schmutzwäsche kommt nun doch nicht an die frische Luft - vorerst jedenfalls. "Nach langem Schweigen hat Wiener Wohnen eingelenkt", sagt Florian Müller, der mit Frau und zwei kleinen Kindern in einem Gemeindebau im 2. Bezirk lebt. "Deshalb haben wir unsere Protestaktion abgesagt." Denn eigentlich wollten die Müllers, gemeinsam mit ein paar Nachbarsfamilien, heute, Dienstag, im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) vorbeischauen und ihm demonstrieren, wie viel Wäsche sich in 14 Tagen bei einem mehrköpfigen Haushalt so ansammelt.

Laut der neuen Waschküchenordnung dürfen in Müllers Haus nämlich nicht nur Singles, sondern auch Familien nur alle zwei Wochen die Waschküche benützen. "Wir leben auf 55 Quadratmetern, nicht öfter waschen zu können ist für uns eine Katastrophe", sagt Müller. Und die Wäsche in der eigenen Wohnung aufzuhängen komme schon ob des Schimmelbefalls, gegen den man seit Jahren kämpft, nicht infrage.
Mehrere Briefe, in denen die betroffenen Familien Wiener Wohnen baten, ihnen zusätzliche Waschtermine zu gewähren, blieben unbeantwortet. Bis Müller zu einem gemeinsamen Besuch bei Ludwig aufrief. "Jetzt hat man uns versichert, dass wir zusätzliche Termine bekommen."
Der Zeitpunkt für zusätzliche Wickel im Gemeindebau wäre auch denkbar ungünstig. Denn seit Michael Ludwig vergangenen Freitag den Chef der HausbetreuungsGesmbH geschasst hat, muss er unablässig versichern, dass beim stadteigenen Unternehmen an sich eh alles in bester Ordnung sei - nur die Kritik an Herbert Jansky wolle eben nicht abreißen. Weshalb man sich auf eine einvernehmliche Kündigung geeinigt habe.
Seit dem Kontrollamtsbericht von 2006 über Wiener Wohnen befand sich Jansky, Bruder von Werner Faymanns Ex-Pressesprecher, unter Dauerbeschuss. Die Opposition spricht von "Freunderlwirtschaft", das Kontrollamt kritisierte unter anderem die Anschaffung eines völlig überteuerten Dienstwagens für Jansky. "Selbst die SPÖ-Fraktion im Kontrollausschuss war vom Bericht schockiert", sagt die grüne Gemeinderätin und Vorsitzende des Kontrollausschusses, Waltraut Antonov.

"Nicht oft am Arbeitsplatz"

Dass Jansky jetzt, zweieinhalb Jahre nach dem Bericht, gehen muss, stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem zweiten Kontrollamtsbericht über Wiener Wohnen, der im März fertig sein soll. "Die SPÖ weiß natürlich schon, was drinnen steht. Der Zeitpunkt, Jansky loszuwerden, war deshalb günstig", sagt Antonov.
Dass die städtischen Kontrollore bei der Hausbetreuung neuerlich auf eine Reihe von Missständen gestoßen seien, glaubt auch VP-Gemeinderat Günter Kenesei: "Vor allem die Befragung von Mitarbeitern warf kein gutes Licht auf Jansky, er war offenbar nicht oft am Arbeitsplatz anzutreffen."

Wohnbaustadtrat Ludwig bestreitet, den Inhalt des Berichts zu kennen. "Ich bin selbst schon neugierig darauf und habe das Kontrollamt auch auf ein paar Punkte hingewiesen - mit der Bitte, sich diese genauer anzuschauen." (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 20.1.2009)

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