Schwarz, sportlich, diskriminiert

19. Jänner 2009, 19:41
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Auch Sportler wiesen Barack Obama den Weg ins Weiße Haus. Superstars wie Tiger Woods oder Kobe Bryant sind Produkte des jahrzehntelangen Ringens um Gleichberechtigung

New York / Wien - Donovan McNabb ist in der Nacht auf Montag mit den Philadelphia Eagles an den Arizona Cardinals und also am Einzug in die Super Bowl XLIII gescheitert. Die zweite landesweite Fete nach Barack Obamas Inauguration innerhalb von 14 Tagen, das Endspiel der National Football League (NFL) am 1. Februar in Tampa, Florida, muss also ohne schwarze Führungspersönlichkeit auskommen. Aber McNabb, Werbe-Ikone und Vorzeige-Athlet, wäre ohnehin nicht der erste afroamerikanischer Quarterback im Finale gewesen. 1988 hatte Doug Williams den diesbezüglichen Vorreiter gespielt, die Washington Redskins als Denker und Lenker auf dem Feld in die Super Bowl geführt und diese sogar gewonnen.

Im professionellen Football gingen die Uhren bezüglich annähernder Gleichberechtigung immer schon langsamer. Dies ungeachtet der Tatsache, dass das NFL-Personal schon seit Jahrzehnten zu bis zu 90 Prozent aus Farbigen besteht. Nur eben schwarze Passgeber sind wohl vor allem aus latentem Rassismus die große Ausnahme, wie auch schwarze Hauptschiedsrichter und Cheftrainer.

Bis 1946 gehörte die NFL, von wenigen Pionieren abgesehen, nur den Weißen. Und diese Pioniere, wegen ihrer athletischen Fähigkeiten geduldet, aber wegen ihrer Hautfarbe verachtet, hatten sich abzufinden mit alltäglichen Demütigungen, mit Beschimpfungen durch Zuseher, Kollegen und Gegner, mit miesen Unterkünften, mit Busfahrten statt Flügen zu Auswärtsspielen und nicht zuletzt geringeren Gehältern.

Erfahrungen, die auch Earl Lloyd gemacht hat, der erste Schwarze in der National Basketball Association (NBA), der heuer 80 Jahre alt wird. Aus Virginia stammend, der "Wiege der Rassentrennung", wie er selbst stets betonte, kam Lloyd 1950 zum ersten NBA-Einsatz, fünf Jahre später war er mit den Syracuse Nationals, dem Vorläufer-Team der Philadelphia 76ers, Champion und später der erste schwarze NBA-Headcoach.

Echte Anerkennung wurde Lloyd erst zuteil, als das professionelle Basketball längst von schwarzen Idolen beherrscht wurde, von Earvin "Magic" Johnson oder Michael "Air" Jordan, quasi den Vätern der heutigen Superstar-Generation um Kobe Bryant und LeBron James, die sich astronomischer Gehälter und quer durch alle Bevölkerungsschichten höchster Wertschätzung erfreut. Seit 2001 wird in Virginia am 9. Februar der Earl-Lloyd-Day begangen.

Noch schwerer als im Football oder Basketball fassten Schwarze im professionellen Baseball und Eishockey Fuß. Besonders Eishockey gilt bis heute als weißer Sport, weiße Europäer und vor allem Kanadier beherrschen die National Hockey League (NHL). Ausnahmeerscheinungen gibt es aber da wie dort. Derek Jeter sorgte mit seinen Homeruns dafür, dass die New York Yankees 1996 nach acht Jahren wieder Baseball-Champion wurden. Eishockey-Crack Jerome Iginla, farbiger Kanadier und Kapitän der Calgary Flames, war 2002 als rechter Flügel im First-All-Star-Team der Liga. Golf, der Sport der wohlhabenden Weißen schlechthin, wird von Tiger Woods beherrscht, dem weltweit bestverdienenden Sportler.

Für Tommie Smith lagen und liegen viele von ihnen "in schweren Ketten". Mit Geld habe man ihr Schweigen gekauft, sagte Smith, der 1968 in Mexiko-Stadt Olympiasieger über 200 Meter gewesen war, 41 Jahre später der Weltwoche. 2005 wurde ihm und Mitstreiter John Carlos in San Jose, Kalifornien, ein Denkmal gesetzt.

In buntem Stein zeigt es den Akt des Protests, den die beiden in Mexiko anlässlich der Siegerehrung gegen die Diskrimierung der Afroamerikaner gesetzt hatten. Nicht um "schwarze Rechte, sondern um Menschenrechte" sei es ihm gegangen, sagte Smith. Barack Obamas Wahl hat sich der 64-Jährige sehr gewünscht: "Er macht, was du tun musst, damit alle verstehen, dass Schwarze alles tun können." (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.1. 2009)

 

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    Tommie Smith (links) und John Carlos in Stein. 1968 protestierten sie in Mexiko gegen die Diskriminierung der Afroamerikaner.

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