Diskussion um Regioliner geht weiter

19. Jänner 2009, 19:27
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Regio-Liner vs. City-S-Bahn: VP-Grüne Mehrheit fordert Vergleich von Systemen durch Fachleute

Linz - Das kurz vor der Nationalratswahl im Vorjahr von der SPÖ Oberösterreich präsentierte Projekt eines "Regio-Liners" - einer Straßenbahnverbindung in Linz und bis in das obere Mühlviertel - sorgt weiterhin für Diskussionen. Die VP-Grüne Mehrheit in der Sitzung der Landesregierung hat am Montag beschlossen, es sollte ein Vergleich verschiedener Systeme durch unabhängige Fachleute erfolgen. Die SPÖ hat sich dazu kritisch geäußert.

Der Vorschlag "Regio-Liner" war Ende August bei einem Besuch vom damaligen SP-Chef und Verkehrsminister Werner Faymann in Linz gemeinsam mit Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider und Bürgermeister Franz Dobusch (alle S) vorgestellt worden. Demnach sollte die neue Regional-Straßenbahn vom Hauptbahnhof über 14 Haltestellen bis nach Aigen-Schlägl (Bezirk Rohrbach) führen. Insgesamt 18 Fahrzeuge seien für die neue Straßenbahn vorgesehen. Die Fahrintervalle sollen in der Hauptverkehrszeit fünf Minuten betragen. Das Verkehrs-Projekt soll rund 550 Mio. Euro kosten.

Die damalige Reaktion der ÖVP: Es gebe zu wenig konkrete Zeit- und Finanzierungspläne. Für die Grünen war das Projekt ein "leeres Luftschloss". Die FPÖ hielt den Regio-Liner für einen "Wahlkampf-Gag". Haider entgegnete, das Projekt sei zu schade, um als "Wahlkampf-Gag" verunglimpft zu werden.

Regio-Liner vs. City-S-Bahn

Dem Vorhaben Regio-Liner steht das seit Jahren verfolgte Linzer City-S-Bahn-Projekt vom Hauptbahnhof zum Bahnhof der Mühlkreisbahn in Urfahr gegenüber, die schon bisher ins obere Mühlviertel führt. Allerdings wäre für die Passagiere ein Umsteigen notwendig. Die Kosten für die von den ÖBB betriebene Strecke wurden mit rund 250 Millionen Euro beziffert. 80 Prozent davon sollte der Bund übernehmen. Um die Trasse zu sichern, ist bereits beim Bau eines Gebäudes der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse dieses um damals 20 Mio. Schilling (rund 1,45 Mio. Euro) untertunnelt worden.

Der oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl (V) warf am Montag Haider vor, dieser habe in den vergangenen vier Monaten trotz Aufforderung keine konkreten Unterlagen für den Regio-Liner vorgelegt. Die vorhandenen seien nicht ausreichend. Viele Fragen seien offen. Deshalb habe jetzt die VP-Grüne Mehrheit in der Landesregierung im Rahmen des Gesamtverkehrskonzeptes für den Großraum Linz einen Vergleich beider Systeme - Eisenbahn und Straßenbahn - durch unabhängige Fachleute beschlossen. Die Kosten dafür bezifferte er mit bis zu 300.000 Euro. Es sollte keine Zeit vergeudet werden. Das Ergebnis sollte im Sommer und auf jeden Fall vor der Landtagswahl im Herbst vorliegen. Es gehe nicht um ein Einreichprojekt, sondern um eine Entscheidung über das für diesen Fall am besten geeignete System. Danach könnte die Detail-Planung erfolgen.

SP-Chef Haider warf der ÖVP vor, sie sei im frühzeitigen Wahlkampffieber und wolle aus parteitaktischen Gründen Verkehrsprojekte massiv verzögern. In der derzeitigen Krise des Arbeitsmarktes sei die Umsetzung wichtiger Nahverkehrsprojekte wie etwa das Regio-Liners ein Gebot der Stunde. Das sichere Arbeitsplätze. Den in der Landesregierung eingebrachten und beschlossenen Antrag kritisierte er heftig. Er sei "nebulos" und unter anderem würden durch die bereits erfolgte Benennung von Experten zum Vergleich der beiden Systeme Vergabevorschriften verletzt. (APA)

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