Mehr als nur Symbolik

19. Jänner 2009, 19:27
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Dieser Führungswechsel ist mehr als nur Symbolik - Von Jim Amoss

Im Jahr 1961, als Barack Obama geboren wurde, mussten in meiner Heimatstadt New Orleans schwarze Bürger in Straßenbahnen und Kinos noch getrennt in den hinteren Reihen sitzen. Dass wir es von dieser schlimmen Zeit in weniger als 50 Jahren zum ersten schwarzen Präsidenten geschafft haben, ist erstaunlich und verändert unser Denken. Am heutigen Dienstag werden wir gebannt ein Ereignis verfolgen, das in unserer Kindheit undenkbar gewesen wäre.

Dieser Führungswechsel ist mehr als nur Symbolik. Der neue Präsident muss sich den Herausforderungen einer globalen Wirtschaftskrise, dem Klimawandel und der Bedrohung durch Terror und Kriege stellen. In New Orleans hat der Hurrikan "Katrina" als Naturkatastrophe begonnen. Durch Fehler der Politik wurde er zu einer vom Menschen gemachten Sintflut, die uns die extreme Vernachlässigung unserer Infrastruktur vor Augen geführt hat. Das weist Barack Obama eine schwere Aufgabe zu: Er muss Amerikas marode Städte, Dämme, Straßen und Brücken wiederaufbauen.

Als Wahlkämpfer hat sich Obama großartig geschlagen - mit Fokus, Disziplin und dem Talent, die richtigen Leute anzuziehen. Seit seiner Wahl hat er das vielleicht klügste und fähigste Kabinett der vergangenen Jahrzehnte zusammengestellt. Das sind gute Vorzeichen für die Präsidentschaft.

Unsere Hoffnung lautet: ein Präsident, der zuhört und lernt, mit allen Teilen der Gesellschaft kommuniziert, einem festen inneren Kompass folgt und bei der Bewältigung der globalen Probleme die USA zum Partner für die Welt macht. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2009)

Jim Amoss ist Chefredakteur der "Times-Picayune".

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