Medici-Stiftung fördert Risiko-Forschung

19. Jänner 2009, 18:56
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Medici Heritage Privatstiftung will Wissenschaft unterstützen - Bank nimmt Klage gelassen

Wien - Der Vorstand der Wiener Bank Medici ist dabei, seinen neuen Business-Plan für das vom Madoff-Skandal geschüttelte Wiener Institut zu erarbeiten. Wie berichtet, hofft Mehrheitseignerin Sonja Kohn, die Bank als "Nischenbank" weiterführen zu können, aufbauend auf rund 30 bis 40 Privatkunden, die man bereits habe.

Das Kreditgeschäft werde man freilich nicht ausbauen, heißt es; und das war ja auch bisher vernachlässigbar. Im Jahr 2007 hatte die Bank drei Kreditgeschäfte im Umfang von 6,5 Mio. Euro verbucht (im Jahr davor: null). 1,5 Mio. Euro lieh sie, wie berichtet, der Industriewaggon GmbH der ÖBB, der Kredit ist bereits zurückgezahlt. ÖBBler bezeichneten ihn als "Freundschaftsdienst, um das für eine Vollbank notwendige Medici-Kreditgeschäft anzukurbeln".

Rund fünf Mio. Euro hat die Bank 2007 an die Antwerpener Immobiliengesellschaft CBS Immo II N.V. vergeben - allerdings handelt es sich dabei um einen Treuhandkredit; das heißt, die Bank hatte das Geld von einem Dritten und leitete es sozusagen nur weiter.

Weitere rund 120.000 Euro flossen laut Geschäftsbericht an Andreas Pirkner, der bis September 2008 Prokurist der Bank war. Zuvor war er Geschäftsführer der M-Tech Service GmbH gewesen - als Nachfolger von Sonja Kohn und Karl Bruck. Dessen Investmentgesellschaft Bruck Invest ist Ende 2008 in Konkurs gegangen; auch die unglückselige Gemeinde Hartberg hat dort Geld verloren.

Unklar ist derzeit auch die Zukunft der "The Medici Heritage Privatstiftung". Kohn und Bank Medici haben sie im September 2007 gegründet; im Vorstand sitzen Wirtschaftsuni-Rektor Christoph Badelt, Ferdinand Lacina und Kohn.

Zweck der 2007 mit 100.000 Euro ausgestatteten, gemeinnützigen Stiftung: Sie will Forschungsarbeiten, Publikationen und Lehrveranstaltungen fördern, und zwar "auf dem Gebiet der generationenübergreifenden Vermögensplanung, der Erforschung von Mechanismen zur Lösung des Konflikts von Unternehmens- und Familienzielen" - und, ausgerechnet, "die Erforschung von Chancen und Gefahren auf dem Gebiet der Veranlagungen von Vermögen und deren Strukturierung" unterstützen.

Die in New York eingebrachte Sammelklage (neben Bank Medici und Kohn sind auch Bank Austria und UniCredit sowie die Fondsgesellschaften beklagt) "nehmen wir nicht sehr ernst", erklärte ein involvierter Jurist dem Standard. In der Bank verweist man in dem Zusammenhang stets auf die Verantwortung der Depotbank, der HSBC Securities Services in Luxemburg.

Beim Primeo Fonds der Bank Austria (Investmentberater war die Bank Austria Worldwide Fund, die inzwischen von Pioneer Alternative Investments übernommen wurde) lassen sich in diesem Punkt allerdings personelle Überscheidungen erkennen: "Eines der Vorstandsmitglieder des Fonds ist Angestellter (...) der Fondsdepotbank. Sollten sich daraus (...) Interessenkonflikte ergeben, wird das Vorstandsmitglied (...) alles unternehmen, um eine faire Beilegung derselben sicherzustellen", heißt es in einem Prospekt von Ende 2004. Bei Primeo war diese Doppel-Besetzung der Brite Nigel Fielding von HSBC Securities Services.

Die Depotbank HSBC nimmt derzeit keine Stellung zum Madoff-Thema, hat jedoch bereits ihre US-Anwälte in Stellung gebracht. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.1.2009)

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