Fluch und Segen des Tourismus auf Galapagos

19. Jänner 2009, 18:00
2 Postings

Inselgruppe ist auf den Tourismus angewiesen - doch mit den Touristen kommen unerwünschte Eindringlinge aus Flora und Fauna

Madrid - Auf der Inselgruppe Galapagos zeichnet sich eine sozio-ökologische Krise ab, warnen Ökologen der Universidad Autonoma de Madrid. Der Tourismus, von dem die Inselbewohner abhängen, bewirke nicht nur die Verschwendung natürlicher Ressourcen vor Ort und verstärkte Zuwanderung, sondern ziehe auch das Eindringen neuer Tier- und Pflanzenarten nach sich, die das Gleichgewicht der Insel gefährden. Eine nachhaltige Entwicklung des Archipels benötige umfassende Konzepte und mehr soziale Stabilität auf der Insel, so das Resümee der im Fachmagazin "Ecology and Society" veröffentlichten Analyse.

Die Galapagos-Inseln im Pazifischen Ozean wurden 1535 zufällig von Spaniern entdeckt. Als eines der wenigen potenziell besiedelbaren Gebiete der Erde besaß der Archipel keine menschlichen Ureinwohner und verfügt aus diesem Grund über einen außerordentlichen Artenreichtum an Tieren, von denen überdies viele endemisch sind. Heute gibt es rund menschliche 20.000 Inselbewohner, und sie werden jährlich mehr - besonders durch die Zuwanderung aus Ecuador, zu dessen Territorium Galapagos seit 1832 gehört. Die Hälfte der Einwohner ist im Tourismus tätig und versorgt die bereits über 130.000 Besucher, die jährlich nach Galapagos kommen.

Neozoen und Neophyten auf dem Vormarsch

Die für den Tourismus notwendige Zuwanderung bringe jedoch zahlreiche Probleme auf Galapagos, so Studienleiter José Gonzalez. "Trotz verbesserter Quarantänesysteme gibt es heute schon fast 500 eingeschleppte Tierarten auf Galapagos, das ist um fast 200 mehr als noch vor zehn Jahren. Diese nehmen schnell das umliegende Land in Besitz und dringen auch in geschützte Gebiete ein. Zudem gefährden Landwirtschaft und Rinderzucht die Arterhaltung und Nachhaltigkeit", betont Studienleiter José Gonzalez. Auch die Zahl neuer Pflanzenarten übertreffe bereits die der ursprünglich einheimischen Pflanzen und bedrohe besonders die labilen Ökosysteme in den feuchteren Höhenregionen des Archipels.

An Naturschutzmaßnahmen fehlt es der Insel nicht. Das jährliche staatliche Budget der Nationalparks beträgt derzeit zehn Millionen US-Dollar, die externe Unterstützung von Naturprojekten liegt noch darüber. "Doch zusätzliches Geld alleine bringt trotz der großen Probleme noch keine Lösung", so Gonzalez. Gelöst werden müsse zuerst die soziale Krise der Inselgruppe. Bisweilen in Gewaltszenen ausartende Fischerstreiks sowie die Unstimmigkeiten der hier ansässigen Institutionen untereinander und mit der Bevölkerung nehmen zu. Wichtige Positionen wie die der Nationalparkleitung seien 2002 elfmal gewechselt worden, was das Vertrauen der Unterstützer sinken lasse. "Ein langfristiges Konzept muss die Bevölkerung bei Entscheidungen und Planung einbinden und die besiedelten Zonen berücksichtigen." Darüber hinaus fordert der spanische Ökologe verstärkte Bemühungen für transdisziplinäre Wissenschaft. (pte/red)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Reptilische Beschaulichkeit: Ein Drusenkopf (ein Leguan, der ebenso wie die bekannten Meerechsen nur auf den Galapagos-Inseln vorkommt) lässt sich eine Eidechse der Gattung Tropidurus über den Rücken laufen.

Share if you care.