Gegen Hofstaat, Personenkult und Windkanal

19. Jänner 2009, 17:56
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Wie Johannes Voggenhuber lustvoll der eigenen Partei einschenkte

Wien - Die erste ORF-Hochrechnung war noch nicht ausgestrahlt, da setzte es bereits verbale Watschen. Ausgeteilt hatte sie - natürlich - Johannes Voggenhuber: "Inhaltliche Nullaussagen" hätten die Grünen im Wahlkampf getroffen.

Das war im Herbst 2002. In ähnlichen Worten hat Voggenhuber die eigene Partei seither immer wieder kritisiert. Ein Umstand, der zweifellos zu seinem nun besiegelten Karriereende als grüner Europabgeordneter beigetragen hat.

"Eine tiefe, innere Krise" konstatierte Voggenhuber seit geraumer Zeit - und sparte nicht mit Schuldzuweisungen. Unter der Ägide von Parteichef Alexander Van der Bellen und seinem Strategen Dieter Brosz sei ein "bürokratischer Hofstaat" entstanden, "in dem Multifunktionäre Ämter kumulieren und geheime Machtzirkel Entscheidungen treffen" , meinte er im Standard. Die Grünen seien zu einer "Kopie des sozialdemokratischen Apparates" verkommen, die nur mehr eine angepasste "Politik des Windkanals" betreibe.

Bei diversen Wahlen fühlte sich der Kritiker bestätigt. Als "soft, mutlos, konturenlos" verriss der die grüne Politik nach der Schlappe in Niederösterreich. Die ebenfalls enttäuschend verlaufenen Nationalratswahl erklärte er unter anderem mit den Sünden "politische Neurose, Harmoniesucht und Personenkult" .


Zuletzt konterte Voggenhuber die Ankündigung vonNeo-Parteichefin Eva Glawischnig, EU-kritischer aufzutreten: "Ich warne vor einer Verengung der Europapolitik." Die grüne Basis teilt diese Befürchtung mehrheitlich nicht - und wählte Voggenhuber ab. (jo, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2009)

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