Wie Weihnachten und Silvester zusammen

19. Jänner 2009, 17:29
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Kenia feiert den verlorenen Sohn, Obamas Oma ist nach Washington geflogen

Bis nach Washington hat er es zwar nicht geschafft, aber bis nach Kisumu im Westen Kenias will Milton (31) fahren, um die Vereidigung von Barack Obama mitzuerleben. „Das wird wie Weihnachten und Silvester zusammen, die Party des Jahrhunderts", freut sich der Gärtner, der wie Obamas kenianischer Vater zur Ethnie der Luo gehört und normalerweise in Kenias Botschaftsviertel arbeitet. Ein paar seiner wenigen Urlaubstage hat er sich genommen, von den hohen Fahrtkosten ganz zu schweigen. „Aber das ist es mir wert."

Zwar hat Kenias Regierung diesmal - anders als am Tag nach Obamas Wahl - keinen Feiertag ausgerufen, doch dass in Kenia am Dienstag gearbeitet wird, glaubt niemand. Besonders gilt das im Westen, wo die Bevölkerung den ersten schwarzen US-Präsidenten noch mehr als der Rest des Landes als einen der ihren ansieht. In Kisumu sollen im größten Stadion der Stadt mehrere Großbildleinwände aufgestellt werden, damit bis zu 100.000 Gäste die feierliche Zeremonie ohne Rempelei verfolgen können. In Kakamega, der zweitgrößten Stadt der Region, werden mehr als halb so viele Gäste zu der Übertragung erwartet, die südafrikanische Starsängerin Yvonne Chaka Chaka ist eigens für ein Livekonzert angereist.

Die ausgelassenste Party steigt indes in Kogelo, dem winzigen Dorf, in dem Obamas Großmutter Sarah und viele Verwandte leben. Schon seit Freitag feiert die Stadt ein „Kulturfestival" zu Ehren des „verlorenen Sohnes", wie er hier genannt wird. Außer tausenden Obamafans sind dazu auch hunderte Reporter angereist - und das, obwohl die Veranstaltung ohne ihren Star auskommen muss.

Denn Oma Sarah Obama stieg am Freitag in den Flieger nach Washington. „Das ist der Tag, auf den ich seit Monaten gewartet habe", sagte sie kurz vor Abflug. „Ich kann nicht verhehlen, dass ich sehr, sehr glücklich bin." Es ist das zweite Mal, dass die 87-Jährige zu ihrem Enkel in die USA reist. An seine Vereidigung als Senator von Illinois, zu der Obama sie auch eingeladen hatte, kann sie sich noch gut erinnern: „Viel zu kalt war das!"

Als Gastgeschenk hat Oma Obama die Insignien der Macht im Gepäck, wie man sie im Westen Kenias kennt: einen dreibeinigen Hocker, ein Schild und einen Wedel aus Ziegenhaar zum Verscheuchen von Fliegen. „Außerdem wollte ich ihm einen Speer mitbringen, aber mir wurde gesagt, dass ich den aus Sicherheitsgründen nicht mit in den Flieger nehmen darf."
Immerhin hat Sarah Obama eine Einladung zur eigentlichen Vereidigung. Für Kenias ungeliebte Politiker, die sich gerne in Obamas Licht sonnen möchten, gilt das nicht. Als eine Regierungsdelegation unter Führung von Kenias Außenminister bei der US-Botschaft anfragte, wann man denn Einladungen erhalte, ließ ein Sprecher kühl wissen, dass ausländische Staaten traditionell nur durch ihre Botschafter vertreten seien.

Freilich hielt das die Politiker, unter ihnen auch Premier Raila Odinga, nicht davon ab, trotzdem nach Washington zu fliegen. Ein Skandal, findet der Ex-Vizeminister und Bürgerrechtler, Kalembe Ndile. „Das ist eine unfassbare Verschwendung von Steuergeldern dafür, dass die Minister sich die Vereidigung letztlich nur auf dem Hotelzimmer ansehen können." In seiner Rage stellte Ndile dem Außenminister vergangene Woche einen Fernseher vor seine Tür - als Geschenk. „Soll er sich das Spektakel hier ansehen, das ist für uns alle billiger." (Marc Engelhardt aus Nairobi, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2009)

 

 

  • Oma Obama reist an.

    Oma Obama reist an.

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