Vom Fischer zum Piraten: Ein Somalier erzählt

20. Jänner 2009, 02:28
  • Kein Bild des Piraten-Finanziers Yassin Dheere: die Aufnahme zeigt drei somalische Piraten, die derzeit in Kenia vor Gericht stehen.
    foto: ap

    Kein Bild des Piraten-Finanziers Yassin Dheere: die Aufnahme zeigt drei somalische Piraten, die derzeit in Kenia vor Gericht stehen.

Yassin Dheere beteiligte sich 2003 erstmals an einem Überfall auf ein Schiff - mittlerweile finanziert er Raubzüge

Garowe - Yassin Dheere war ein ganz normaler Fischer in Somalia - bis das Land am Horn von Afrika immer mehr im Chaos versank. Da wurde er zum Piraten. "Nachdem die Zentralregierung zusammenbrach, war ich gezwungen, ausländische Schiffe zu überfallen. Niemand überwachte die Gewässer und wir konnten nicht richtig fischen, weil die Schiffe, die an den somalischen Küsten illegal ihre Netze ins Wasser hängten, unsere kleinen Boote und unsere Ausrüstung zerstörten. Deshalb mussten wir Piraten werden."

Dheere ist 39 Jahre alt und ein Berg von einem Mann - größer als die Leibwächter, die ihn zum Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters in Garowe im Norden Somalias begleitet haben. Er trägt ein teuer aussehendes traditionelles Gewand, kaut Khatblätter, eine aufputschende Droge, und streichelt ein Sturmgewehr vom Typ AK-47, als er von seinem Leben erzählt.

Erster Überfall 2003

"Das erste Mal, als ich mich an einem Schiffsüberfall beteiligte, das war 2003. Es war, glaube ich, ein arabisches Schiff, die Mannschaft bestand aus 18 Jemeniten. Das war ein großer Trawler, der unsere Boote mehrmals zerstört hatte." Damals hätten er und seine Komplizen noch keine Ahnung davon gehabt, wie man ein Schiff mit Enterhaken und Leitern einnehme. "Also sind wir nah ran mit unseren Booten und raufgeklettert." Zwei Wochen hielten sie das Schiff fest, dann schalteten sich somalische und arabische Vermittler ein. "Wir wurden überzeugt, 50.000 Dollar als Entschädigung zu nehmen. Meine Güte! Das war eine Riesensumme für uns. Das inspirierte uns und machte uns Appetit darauf, noch mehr Schiffe zu jagen."

Wieviel Geld er mit der Piraterie seitdem gemacht hat, das will Dheere nicht sagen. Nur so viel: Es sei mehr, als er sich jemals hätte träumen lassen. In einem Fall seien es sogar einmal 250.000 Dollar gewesen. "Mein Leben hat sich komplett verändert." Mit dem Geld kaufe er Autos, Waffen und Boote. "Und ich amüsiere und entspanne mich gerne."

Seit Monaten nicht mehr auf See 

Heute mache er sich selbst die Hände nicht mehr schmutzig. "Ich habe Angestellte, die für mich jetzt die Arbeit erledigen. Ich bin ein Financier." Er sei seit Monaten nicht mehr auf See gewesen, um ein Schiff zu kapern. "Meine Gruppe fährt raus aufs Meer und ich manage ihre Finanzen. Ich kaufe Schnellboote und Waffen, was immer sie brauchen."

"Ich habe auch schon viele Schwierigkeiten bei der Arbeit gehabt. Mein Leben geriet in Gefahr. Und ein paar Kollegen sind gestorben, einige auf See, als ihre Boote kenterten. Am schlimmsten war es, als uns ein US-Kriegsschiff angriff, während wir ein Schiff jagten. (...) Wir entkamen in unseren Schnellbooten, während die Kugeln über uns hinwegzischten."

Moderne Ausrüstung

Doch das gehört offenbar dazu. "Wenn wir raus aufs Meer fahren, erwarten wir Gewinne und Verluste. Aber wir nehmen uns immer in acht vor Kriegsschiffen, die uns angreifen könnten." Deshalb würden sie mittlerweile auch moderne Ausrüstung einsetzen, wie etwa das satellitengestützte Navigationssystem GPS. Dennoch sei es schwierig, ein Pirat zu bleiben. Um Nachwuchs müsse er sich aber keine Sorgen machen. "Im Moment haben wir eine neue, aktive junge Generation, die bei der Piraterie mitmachen will. Am meisten mögen sie Geld."

Zum Abschluss richtet sich Dheere noch an die Vereinten Nationen. "Wenn die UN den Kampf gegen Piraten an Land genehmigen, wird das nur zum Tod unschuldiger Somalier führen. Sie können uns von den gewöhnlichen Somaliern nicht unterscheiden, wir tragen dieselbe Kleidung. So lange wir keine Regierung bekommen, wird es Piraterie geben." (red/Abdiqani Hassan/Reuters)

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wohl in den Genen

wenn man in einem wohl behüteten Europa aufwächst ist es nicht verwunderlich, das so mancher Poster mit den Finger auf die ach so Somalis zeigt. Die Piraterie entstand wohl vermutlich weil es in den Genen der lokalen Bevölkerung steckt oder was?! Wenn man Menschen die Lebensgrundlage raubt in dem man ihnen die Küsten illegal leer fischt ist die Piraterie eine Folge dessen! Es ist ja auch ein jeder Araber Extremist und islamische Fundi, denn die werden ja schon als solches geboren. Euch sollte man mal für ein Jahr in eines dieser Länder jagen! Weit weg vom behüteten Europa, wo man sich Gedanken macht ob man sich ein ipad leisten soll oder nicht.

der gute Yassin

habt ihr eigentlich darüber nachgedacht welcher arm der internationalen mafia die interationale pr agentur bezahlt hat die ihn erfunden hat - bevor ihr eure weltverbesserlichen kommentare abgebt

es ist immer dieselbe geschichte, wie bei jesus schon - es gibt ein echtes problem oder einen misstand und eine gruppe von menschen benutzt diese tatsache um daraus macht und geld zu machen - alle noch viel schlimmeren misstände die als folge für den grossteil der bevölkerung eintreten werden mit der "moral" der "heilsgeschichte" begründet und im idealfall fresssen die opfer die geschichte und bestrafen sich selbstständig weiter und liefern ihr hab und gut bei den "aposteln" der geschichte ab.
"fischer" sind offensichtlich immer gute klischees

Eindeutig: Die Amerikaner bzw. der Westen bzw. die Reichen sind schuld. Geht doch eindeutig aus dem Interview hervor.

Murders & Executions

it's a growth business

auf der einen Seite die Gier des Westens nach Fisch und die Zerstörung der Lebensgrundlage armer kleiner Fischer - auf der anderen Seite arme kleine Fischer, die nicht genug Geld erpressen können, weil auf den Geschmack gekommen.

Gier auf beiden Seiten

Im oben erwähnten Fall wars konkret angeblich die Gier des Nordens.

Nämlich des Jemens, eines Landes, das jetzt nicht grad zu den Vorzeigewestlern gehört.

Was lese ich da? Hr. Fischer ist unter die Piraten gegangen? Ja verdient er denn hier in Ö. gar so wenig? Und der Hr. Faymann macht dann wohl den Smutje?

und da sag einer, es gäbe in "diesen Zeiten" keine Wachstumsbranche. Wo bleibt der Managementquatscher mit einer diesbezüglichen Beurteilung der Situation?

Sie meinen

der Typ sollte mit seinem Unternehmen an die Börse gehen?

Das Mitführen von Waffen auf einem Schiff

ist laut internationalem Seerecht verboten? Allerdings für Piraten wird eine Ausnahme gemacht, weil dies einem Berufsverbot gleichkäme. Kann man Schiffe "Entersicher" machen? Kann man das Seerecht ändern, das zb. mitgeführte Waffen an Bord bleiben müssen? Irgendwie erinnert mich die Situation an die offenen Cockpittüren und fehlenden Handgepäckskontrollen in den Urzeiten der Fliegerei. Die Seefahrt verliert soeben ihre "Unschuld".

Waffen sind erlaubt

SeemG § 111 (2)
Die Besatzungsmitglieder sind berechtigt, persönliche Bedarfsgegenstände und
Verbrauchsgüter in angemessenem Umfang an Bord zu bringen, sofern dadurch nicht
gesetzliche Vorschriften verletzt, die Ordnung an Bord beeinträchtigt oder Menschen,
Schiff oder Ladung gefährdet werden. Die Mitnahme von anderen Gegenständen,
insbesondere von Waffen und Munition, ist nur mit Einwilligung des Kapitäns zulässig.
Wird die Einwilligung versagt, so kann sie auf Antrag des Besatzungsmitglieds durch
das Seemannsamt ersetzt werden.

Ob Raketenwerfer noch unter persönlicher Bedarfsgegenstand fällt ist natürlich eine andere Frage.....

Ob Raketenwerfer noch unter persönlicher Bedarfsgegenstand fällt ist natürlich eine andere Frage.

sicher!
ich verwende den ja persönlich..

es geht meiner meinung nach...

...nicht wirklich darum schiffe entersicher zu machen sondern es würd reichen in solchen regionen einigermassen vernünftige zustände zu schaffen so dass man von einem normalen beruf leben kann dann gibts auch für piraten weniger zulauf.
aber wir sind ja so wies aussieht shcno in mitteleuropa scheinbar nicht mehr wirklch in der lage das für alle zu ermöglichen

Ich bin mir sicher, dass der gute Yassin Dheere mit den ersten erpressten 50.000 Dollar auch ganz andere Dinge in Somalia hätte machen und davon auch hätte leben können.
Vielleicht wär sich nicht so schnell ein tolles Auto ausgegangen oder vielleicht hätte er dann auch in echt was arbeiten müssen, so wie das halt bei uns auch Millionen andere machen. Und er hätte sich nicht so schnell auf "Und ich amüsiere und entspanne mich gerne" zurückziehen können.

Ich bleib dabei: Das sind Verbrecher, die sich selbst auch dafür entschieden haben. Da ist irgendeine romantische oder "aber die sind ja so arm" Mentalität vollkommen fehl am Platz.

Der "Club-der-dichten-Toten" (welch intellektuelles Wortspiel) wird wahrscheinlich seine Meinung nicht ändern. Trotzdem ein Versuch: http://www.heise.de/tp/r4/art... 698/1.html

Vielleicht erscheinen diese Geschichten dann einigen Grünstrichlern in einem anderen Licht. Vielleicht!!

Welche Geschichten?
Die, die in diesem Artikel oben erzählt wird?
Klar, dass die armen Piraten, die geschnappt wurden, im Endeffekt wieder die armen ausgebeuteten Schweine sind, aber ausgebeutet wurden sie von Typen wie dem in obigem Artikel.
Zudem tummeln sich in den Gewässern mittlerweile wieder Fische wie nie, weil die illegalen Fischkutter sich eh nicht mehr hintrauen.

Sorry, aber auch diese halbweichen Entschuldigungsversuche stimmen mich nicht um.

okay,

der yessin.
Hat aus Hunger angefangen. Wie alle seine Unterläufeln, von denen er jetzt lebt...wo ist der Unterschied zur Schwarzarbeit am Bau?

Der Mann ist eben kein Lahmarsch, sondern ein Exemplar der progressiven, neuen new economy!

Reinvestiert und stattet andre newcomer mit know how, Betriebsmitteln und Kapital aus! - Der Neid auf diesen progressiven Unternehmer- und Machertypen ist symptomatisch für das Standard Forum!

Ein bisserl eine schiefe Optik halt, Grauzone und so, aber es gilt die Unschuldsvermutung!

schon klar....

..wenn man mal sieht wies geht hört man vermutlich nicht mehr auf.
aber wenn man von was anderem auch leben kann ist die gefahr in die illegalität abzugleiten wohl doch um einges grösser meinen sie nicht ;)

was hätte er denn mit den 50.000 dollar machen solln ihrer meinung nach? ein neues fischerboot kaufen und warten bis es wieder zerstört wird?

Private Rentenvorsorge und an der Börse bei diversen Optimierern investieren huhaha!

"was hätte er denn mit den 50.000 dollar machen solln ihrer meinung nach?"


Ihnen ist aber schon klar, dass mit 50.000 dollar in Somalia mehrere familien viele jahrzehnte lang überdurchschnittlich gut leben könn(t)en?

das monatliche durchschnittseinkommen liegt bei ca. 10 us-dollar!


Sie haben eine Weltsicht, die auf einer Bildung beruht, welcher dieser Pirat wahrscheinlich nicht hat. Daher ist es eher anmaßend, was sie schreiben. Denken Sie ein bißchen weiter und ganzheitlicher!

Was soll ich da ganzheitlich denken? Das ist ein Verbrecher, der es sich auf Kosten anderer gemütlich macht.

Dass es nicht richtig sein kann, Schiffe zu überfallen und Lösegeld zu erpressen, sollte auch einem einfachen Fischer klar sein.

Dass es Millionen seiner Landsleute gibt, die ohne Piraterie leben, kann er auch sehen.

Dass er jetzt im Luxus lebt und nichts weiter macht, als neue Piraten heranzuzüchten, die für ihn die Drecksarbeit machen, damit er Autos kaufen und sich entspannen und amüsieren kann, zeigt mir, dass er sich offenbar auch keine Bildung herbeisehnt.

Würde er mit dem Geld Schulen gründen, Rinder oder Kamele kaufen, Brunnen bohren, oder was weiß ich, *irgendwas* sinnvolles halt, ich täte mir mit der Beurteilung schwerer. So ist er einfach ein stinknormaler Verbrecher, wie's viele gibt.

Sie sind ja nur neidig auf den Leistungsträger!

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