Zerbrechliches Gerüst

19. Jänner 2009, 17:13
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In Österreich leiden zwischen 600.000 und 700.000 an Osteoporose - Eine neue Studie stellt bisherige Diagnose- und Therapiemethoden auf den Kopf

Mehr als 75 Millionen Menschen leiden weltweit unter Osteoporose, in Österreich sind es zwischen 600.000 und 700.000. Von der Krankheit betroffen sind überwiegend ältere Menschen und Frauen, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern liegt bei etwa 3:1.

Bei Osteoporose handelt es sich um eine systemische Knochenerkrankung, charakterisiert durch niedere Knochendichte und Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochens, die den Verlust von Knochenmasse zur Folge haben.

Neue Studie bricht Dogma

Diagnose und Therapie von Osteoporose basieren auf der Knochendichtemessung, bei der hauptsächlich die Dichte der inneren schwammartigen (trabekulären)  Knochen gemessen wird. Der äußeren röhrenartigen Knochenschicht (kortikaler Knochen) wurde bisher wenig Bedeutung zugemessen.

Eine neue Studie von Wiener Orthopäden und Materialphysikern stellt nun die Bedeutung des trabekulären Füllmaterials in Knochen für deren Festigkeit in Frage. Die Studie, die kürzlich im "Journal of Bone and Mineral Research" erschien, zeigt, dass der komplette Verlust von trabekulärem Knochen zu einer vergleichsweise geringen Reduktion der Knochenstärke führt und vorrangig die kortikalen Knochen für unsere Knochenstärke verantwortlich sind. Hinsichtlich der Osteoporose scheinen diese Erkenntnisse sowohl eine Neudefinition als auch eine Revision des gegenwärtigen diagnostischen und therapeutischen Procederes erforderlich zu machen, so die Studie.

Langsamer Knochenschwund ab Mitte 30 ist eine normale Erscheinung, bei der Osteoporose ist der Schwund aber besonders deutlich ausgeprägt. Durch ein Ungleichgewicht zwischen den knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) entstehen Störungen in der Zusammensetzung des Knochengewebes. Die Knochenbrüchigkeit erhöht sich, das Frakturrisiko steigt. Da Osteoporose-bedingte Frakturen am häufigsten bei älteren Menschen auftreten, führen diese schnell zu Immobilität und sind oft der Beginn in die Pflegebedürftigkeit. Österreich liegt bei den jährlichen Kosten für Akut- sowie Nachversorgung von hüftgelenksnahen Frakturen im europäischen Spitzenfeld.

Erkrankungsrisiko ist beeinflussbar

Das Risiko an Osteoporose zu erkranken wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Der Österreichische Osteoporosebericht unterscheidet zwischen nicht beeinflussbaren Risikofaktoren wie der genetischen Prädisposition, Geschlecht, zierlichem Körperbau sowie Alter und beeinflussbaren, wie Lebensstil oder Ernährung. Bewegungsarmut, schlechte Ernährung wie niedrige Calcium- und Vitamin D-Zufuhr, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und die Einnahme von Medikamenten wie Cortison stellen laut Bericht Risikofaktoren dar. (red, derStandard.at, 19.01.2009)

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    Langsamer Knochenschwund ab Mitte 30 ist eine normale Erscheinung, bei der Osteoporose ist der Schwund aber besonders deutlich ausgeprägt.

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