Empfehlungen des Rechnungshofes und die Reaktion des ORF im Wortlaut

19. Jänner 2009, 16:29
posten

Wrabetz sieht Großteil schon fast umgesetzt: Von den 57 Empfehlungen seien 45 bereits umgesetzt oder in konkreten Projekten zur Umsetzungsvorbereitung - Zur als ORF-Chef: "Wer soll es denn sonst machen?"

Der Rechnungshof hat am Montag seinen offiziellen Bericht der Prüfung des öffentlich-rechtlichen ORF ans Parlament übermittelt. Untersucht wurden insbesondere die Jahre 2004 bis 2007. Untersucht wurden insbesondere die Jahre 2004 bis 2007. Im Dokument links finden Sie die Empfehlungen des Rechnungshofs und die Reaktion des ORF.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sieht seinen Kurs durch den Rechnungshofbericht zum öffentlich-rechtlichen Sender bestätigt. 45 der insgesamt 57 Empfehlungen habe der ORF bereits umgesetzt beziehungsweise seien "in Vorbereitung zur konkreten Umsetzung". 21 Punkte decken sich laut Wrabetz mit Maßnahmen, die im Strategie- und Strukturkonzept vorgesehen sind, das am 2. April im Stiftungsrat zur Beschlussfassung vorgelegt wird. Dafür erhofft sich der ORF-Chef Rückenwind durch den am Montag dem Parlament übermittelten Rechnungshofbericht.

"Ja, wer soll es denn sonst machen?"

"Ich bin zum Teil sehr froh, dass der Rechnungshof die Positionen der Geschäftsführung in wichtigen Fragen unterstützt, denn da hat es im Stiftungsrat die einen oder anderen Zweifel gegeben." Mit "dieser Rückendeckung und der Aufforderung des Stiftungsrates, tabulos zu agieren, hoffe ich, dass es leichter wird, Dinge durch- und umzusetzen", sagte der ORF-Chef bei einer Telefonkonferenz. Auf die Frage, ob er angesichts des politischen Drucks auf seine Person glaubt, in einem Jahr noch Generaldirektor zu sein, sagte Wrabetz: "Ja, wer soll es denn sonst machen?" Den von ihm eingeschlagenen Weg bezeichnete er als "richtig".

Das von Wrabetz im Vorjahr vorgestellte Strukturkonzept enthalte einige Empfehlungen der ORF-Prüfer, wie etwa die Ausgliederungen von Teilen der IT, des Radio-Symphonieorchesters, des Facility-Managements sowie der Ausstattung und der Grafik. Auch Strukturstraffungen im Marketing- und Personalbereich sowie die Reduktion von Personalkosten und neue Verrechnungsmodelle für Überstunden waren Teil des Konzepts, das Wrabetz den Stiftungsräten im Dezember vorgelegt hatte, das aber von diesen als unausgegoren zurückgewiesen wurde. Ein zweiter Anlauf findet nun im April statt. Hier soll auch die Standortfrage thematisiert werden, die für den ORF-Chef Voraussetzung für das von den Rechnungshofprüfern vorgeschlagene trimediale Arbeiten ist.

Sportrechtekosten

Berücksichtigt habe Wrabetz auch die Kritik aus dem Rechnungshof-Rohbericht an zu hohen Sportrechtekosten. "Die Kostenexplosion in diesem Bereich erfordert eine genaue Prüfung - daher habe ich gesagt, die Übertragungen von Champions League und Formel 1 müssen überdacht werden."

Sieben Empfehlungen müsse der ORF erst "noch längerfristig prüfen". Darunter falle etwa die Zusammenlegung aller Redaktionen und die mögliche Zentralisierung. Wrabetz hält es nicht für sinnvoll, den Direktoren in der laufenden Geschäftsführungsperiode sämtliche Kompetenzen zu entziehen und will auch die Struktur der Direktorien vorerst nicht angreifen. "Ab 2012 werde ich eine andere Struktur vorschlagen." Fünf Aspekte im Rechnungshofbericht würden sich nicht an die Geschäftsführung sondern an Stiftungsrat und Politik richten.

Dass das ORF-Zukunftskonzept nicht früher vorgelegt wurde, begründet der ORF-Chef damit, dass zunächst noch fünf offene Punkte geklärt und berücksichtigt werden mussten beziehungsweise müssen. Dazu zählt er den Ausgang des EU-Verfahrens, den abschließenden Rechnungshofbericht, die im Regierungsprogramm fixierte Medienpolitik, die Auswirkungen der Digitalisierung und die Entwicklung in Folge der Finanzkrise. Außerdem bedarf es bei einigen Punkten einer gewissen Vorlaufzeit und Bewusstseinsbildung im Stiftungsrat.

Wenig Verständnis äußerte Wrabetz für die Rechnungshofkritik, der Stiftungsrat sei zu groß, sowie für die "Selbstgeißelung mancher Stiftungsräte", die das Gremium als "zu unbeweglich" bezeichnet haben. Der Vorsitzende Klaus Pekarek hatte sich für eine Zweiteilung des Stiftungsrates ausgesprochen. "Das Gremium hat Entscheidungen immer rechtzeitig treffen können", so Wrabetz. (APA/red)

  • Download
  • Emfehlungen des Rechnungshofs und die Stellungnahme des ORF zu den einzelnen Punkten.

Share if you care.