Beteiligte Mitarbeiter sind motiviertere Mitarbeiter

    20. Jänner 2009, 16:24
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    "Partizipation erhöht die Identifikation": ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf referierte beim HR-Circle über Mitarbeiterbeteilgung und die "heiße Kartoffel" Pensionen

    "Partizipation am Unternehmen erhöht die Identifikation und die Leistungsbereitschaft." Das sei zwar eine allgemein bekannte "Binsenweisheit", räumt ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf ein, aber ein ganz zentraler Punkt, der oft über Erfolg oder Misserfolg eines Betriebes entscheidet. Über "Mitarbeiterbeteiligung" und die Frage 'Staat versus Privat' referierte Kopf beim aktuellen HR-Circle. Der 51-jährige Wirtschaftspolitiker war selbst zehn Jahre im Personalmanagement tätig.

    Prinzip der Freiwilligkeit

    "Der Wohlstandsgewinn, der durch wirtschaftlichen Erfolg entsteht, sollte gerecht verteilt werden", fordert Kopf und plädiert für eine behutsame Vorgehensweise. Von gesetzlichen Verpflichtungen zur Mitarbeiterbeteiligung hält der Vorarlberger nichts: "Es muss immer Freiwilligkeit in beide Richtungen gegeben sein." Kopf diagnostiziert bei vielen Firmen noch eine "reflexartig kritische" Haltung in Bezug auf solche Modelle. Es existiere die Angst, dass es gesetzlich verankert werden könnte. Wie das zum Beispiel in Frankreich der Fall ist. Bei der Involvierung der Mitarbeiter dürfe die Risikobereitschaft nicht unter die Räder kommen. Klare Entscheidungsstrukturen müssen gewährleistet bleiben. Rein auf Sicherheit basierendes Agieren gefährde den langfristigen Erfolg, ist Kopf überzeugt.

    In Österreich sind laut Zahlen der Arbeiterkammer rund sechs Prozent der Beschäftigten an ihren Unternehmen beteiligt. Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit seiner Quote im Durchschnitt. Generell muss zwischen der Erfolgs- und Kapitalbeteiligung differenziert werden. Bei der Ersteren erhalten die Beschäftigten neben dem Fixum an den Unternehmenserfolg gekoppelte Prämien. Großartige steuerliche Begünstigungen gibt es bis dato noch keine. Wenn es nach Kopf geht, sollte sich das bald ändern: "Ausschüttungen an Mitarbeiter könnte man etwa steuerlich so behandeln wie Ausschüttungen an Gesellschafter."

    Freibetrag verdoppeln

    Steuerliche Vorteile kommen erst bei Kapitalbeteiligungen zum Tragen. In Österreich werden sie bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von 1.460 Euro steuerlich gefördert und bleiben abgabenfrei. Kopf will eine "steuerliche Attraktivierung". Der Freibetrag könnte "verdoppelt oder verdreifacht" werden. "Das ist auch bei den Regierungsverhandlungen mit der SPÖ diskutiert worden", erzählt er. Allerdings habe man sich dagegen entschieden, weil diese Maßnahme sehr teuer gekommen wäre. Der Fokus im Rahmen der Entlastung liege eindeutig bei der Tarifsenkung. "Die jährliche Ersparnis beträgt zwischen 400 und 1.350 Euro", rechnet Kopf vor.

    Bei Kapitalbeteiligungen muss der Arbeitnehmer die Anteile mindestens fünf Jahre halten. Kopf kann sich vorstellen, die Behaltefrist von fünf auf drei Jahre zu verkürzen. In Summe seien das Maßnahmen, die den "Gedanken des Unternehmertums" forcieren würden, ist sich der ehemalige Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes sicher. Österreichs "unterdurchschnittliche Selbstständigenquote" könnte erhöht werden.

    Private Vorsorge forcieren

    In direktem Zusammenhang mit Mitarbeiterbeteiligung steht für Kopf das Thema "Pensionen". Man könnte zum Beispiel die Transferierung der Ausschüttungen in private Vorsorgemodelle begünstigen, schlägt er vor. Das sei zwar derzeit nicht gerade populär. Aber nur deswegen, weil viele Formen der Kapitalanlegungen "aberwitzig und skurril" waren, glaubt der ÖVPler. Im Zuge der Finanzkrise seien die "Produkte, die kein Mensch mehr verstanden hat", dann einfach zusammengekracht. Wenn sich die Märkte beruhigt haben, sollte man wieder über Anreize für private Vorsorge reden, so Kopf.

    Als "heiße Kartoffel" sieht er auch das staatliche Pensionssystem. "Wir schaffen eine Reform nicht einmal auf der Basis von Fakten", kritisiert Kopf. "Realitäten werden nicht zur Kenntnis genommen." Die Realität sei die demografische Entwicklung mit weniger Geburten und stetig steigender Lebenserwartung. Kopf wünscht sich hier steuerliche Impulse für Private und für Unternehmen. "Im Moment würde ich mich aber nicht trauen, dies öffentlich zu diskutieren", sagte Kopf und tat es dann dennoch. Seine Partei hätte eine "Pensionsautomatik" favorisiert. Das sei am Widerstand der SPÖ gescheitert.

    "Nachhaltigkeitsfaktor"

    Ein Automatismus hätte bedeutet, dass bei einem Anstieg der Lebenserwartung und einer Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Beitragseinnahmen und Pensionszahlungen automatisch Pensionsalter, Beiträge und Pensionshöhe anzupassen sind. An einem "Nachhaltigkeitsfaktor" führe aber langfristig kein Weg vorbei, warnt Kopf. "Der Bundeszuschuss steigt permanent", was auf Kosten von anderen Ausgaben wie Bildung oder Forschung gehe. Dass mit dem Thema Pensionen keine Wahl zu gewinnen ist, ist ihm klar: "Seit 2003, dem Zeitpunkt der Pensionsreform, waren wir in den Umfragen konstant hinter der SPÖ." Abgesehen vom kurzen Aufwind durch die BAWAG-Affäre.

    Kopf bezeichnet sich als "überzeugten Marktwirtschafter". Zur Regulierung brauche es "Spielregeln mit Kontrollen", denn: "Nicht die Marktwirtschaft ist falsch, sondern die fehlenden Regeln sind das Problem." (om, derStandard.at, 20.1.2009)

    Zur Person:

    Karheinz Kopf kommt aus Altach. Er war elf Jahre Personalchef bei zwei großen Vorarlberger Textilunternehmen (Huber Trikot, Wolford) und ist seit 1993 selbständiger Unternehmer.

    1994 wurde Kopf zum ersten Mal für die ÖVP in den Nationalrat gewählt. Im Jahr 2000 wurde er Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes. Diese Funktion bekleidete er bis November 2008 - bis er zum Klubobmann der ÖVP avanciert ist.

    Hinweis:

    Der nächste Vortrag im Rahmen des HR-Circle findet am 19. März statt. Hanspeter Liechti (mental guide GmbH, Basel) spricht über "Selbstcoaching im Business".

    Link:

    www.hrcircle.at

    • Karlheinz Kopf.
      foto: derstandard.at/mark

      Karlheinz Kopf.

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