Musikindustrie: Manipulative Studien zu Tauschbörsen

19. Jänner 2009, 14:41
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Branchenvertreter hantieren offenbar unseriös mit Zahlen, um Kappung der Internetleitung bei illegalem Tausch durchzusetzen

Wenn es darum geht, die eigenen Interessen umzusetzen, hantieren Film- und Musikindustrie gerne mit allerlei Studien. Doch nicht immer werden diese Zahlen auch wirklich seriös eingesetzt, dies berichtet zumindest nun Arstechnica.

Plan

Konkret geht es um eine Untersuchung zu der aktuell stark gepushten Idee, denjenigen, die kopiergeschützte Dateien im Netz tauschen, nach mehrmaliger Drohung den Internet-Zugang abzudrehen. Laut Interpretation der Industrievertreter würden rund 70 Prozent der Internet-UserInnen bereits bei einer einmaligen Drohung ihr Tauschverhalten umgehend einstellen. Eine Zahl, die dazu dienen soll den GesetzgeberInnen eine entsprechende Regelung schmackhaft zu machen.

Fokus

Das Problem dabei ist nun allerdings weniger, dass die Branchenvertreter die Zahlen direkt manipuliert hätten, sondern dass der Fokus so gesetzt wurde, dass ein stark verzerrtes Bild gezeichnet wird. Denn die Auswertung bezieht sich auf alle Internet-NutzerInnen und nicht bloß auf jene, die tatsächlich auch Tauschbörsen nutzen.

Problematik

Diese Gruppe - die nach aktuellen Untersuchungen ungefähr bei 18 Prozent der gesamten Online-Community liegen - zeigt sich nach einer neuen Studie als wesentlich drohungsresistenter: Nur mehr 41 Prozent sind es da, die bei einer Drohung tatsächlich ihre Tauschbörsenaktivitäten einstellen würden. Noch relevanter allerdings eine andere Zahl: 37 Prozent der Befragten würden den Online-Tausch nicht einmal einstellen, wenn sie mehrfach verwarnt und akut mit der Netzabschaltung bedroht würden, sondern sich maximal sicherere Tauschwege suchen. Die versprochene "Lösung" des "Problem Tauschbörsen" wäre eine entsprechende Gesetzesverschärfung also wohl kaum. (red)

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