"France Soir" kommt unter russische Kontrolle

19. Jänner 2009, 13:07
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Russischer Großunternehmer Sergej Pugatschew kaufte das Blatt via einer Luxemburger Gesellschaft - 10 Millionen Euro Investitionen geplan

Die französische Tageszeitung "France Soir" befindet sich nunmehr mehrheitlich in russischen Händen. Ein Handelsgericht im nordfranzösischen Lille hat am Freitag die Übernahme von 85 Prozent des Kapitals durch den luxemburgischen Investitionsfonds Sablon International genehmigt, der sich zu 100 Prozent in den Händen des Sohnes des russischen Oligarchen Sergej Pugatschew befindet. Das Restkapital von 15 Prozent bleibt in den Händen des bisherigen Eigentümers Jean-Pierre Brunois, der auch Generaldirektor des Blattes bleibt.

Sergej Pugatschew, der von den russischen Medien als "Putins Bankier" bezeichnet wird, befindet sich in Russland an der Spitze eines Imperiums, das von Luxusartikeln über Energie und Schiffbau bis hin zu den Medien reicht. In Frankreich ist er Eigentümer des Delikatessenwarenhändlers Hediard. Sein Sohn Alexander, der sich mit 23 Jahren an der Spitze von Sablon International befindet, besitzt auch die französische Staatsbürgerschaft.

Das französische Mediengesetz verbietet es einem Nicht-EU-Bürger, mehr als 20 Prozent eines Presseunternehmens zu besitzen. Sablon International gehörte ursprünglich einer Holdinggesellschaft Sergej Pugatschews mit dem Namen OPK. Im Jahr 2006 verkaufte er den Investitionsfonds allerdings an seinen Sohn. Die Gesellschaft wurde dadurch rechtlich gesehen französisch, zumal der 23-Jährige die Doppelstaatsbürgerschaft hat.

"Absolut notwendig"

Die Übernahme des Blattes war aufgrund der schlechten finanziellen Lage desselben absolut notwendig für dessen Überleben, hieß es vonseiten der Betriebsleitung, die in den letzten beiden Jahren bereits 8 Mio. Euro in das Unternehmen investiert hat. Die 1944 gegründete Zeitung, die sich zu ihren besten Zeiten bis zu eine Million Mal am Tag verkaufte, stagniert gegenwärtig bei 23.000 Exemplaren. Um das finanzielle Überleben zu garantieren, sind laut einem Business Plan des Betriebs mindestens 30.000 verkaufte Exemplare nötig.

Pugatschew erklärte gegenüber dem Handelsgericht von Lille, dass "France Soir" mit September 2009 wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren soll. Zu dem Zweck ist eine "Neuausrichtung der redaktionellen Linie" geplant. Um den Absatz zu steigern, soll das Blatt künftig auch an den Kassen der großen Supermarktketten in Frankreich zum Verkauf angeboten werden. Eine namentlich nicht genannte Bank soll dem russischen Geschäftsmann mit einem Darlehen von 10 Mio. Euro bei dem Sanierungsplan zur Seite stehen.

"France Soir" war im Jahr 2004 vom ägyptisch-französischen Geschäftsmann Rami Lakah übernommen worden, der allerdings ein Jahr später bereits Konkurs angemeldet hatte. 2006 hatte die russische Mediengruppe Moscow News des Geschäftsmanns Arcadi Gaydamack (der unter anderem auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt), ein Übernahmeangebot gemacht. Dieses wurde von den französischen Behörden allerdings aufgrund der zweifelhaften Herkunft der Kapitalien abgelehnt. Das Blatt war schließlich vom Handelsgericht in Lille dem Geschäftsmann Brunois und dem Sportjournalisten Olivier Rey zugesprochen worden. (APA)

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