Verschrottung "kontraproduktiv"

19. Jänner 2009, 12:54
29 Postings

VCÖ zur Verschrottungsprämie: Die Produktion eines Neuwagen erzeugt so viel CO2 wie zwei Jahre Autofahren

Wien - Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hält die nun auch für Österreichs Autokäufer in Aussicht gestellte Verschrottungsprämie für wenig sinnvoll. Aus Umweltsicht sei ein solcher Anreiz sogar "kontraproduktiv", weil die Produktion eines Neuwagens ebenso viel CO2 verursache wie zwei Jahre lang Auto fahren, betonte der VCÖ am Montag in einer Presseinformation. Auch die soziale Treffsicherheit einer solchen Maßnahme sei gering, die 125 Mio. Euro, die eine solche Aktion maximal koste, würden für tatsächlich wirksame Beschäftigungsmaßnahmen fehlen.

Etwa ein Fünftel der Umweltbelastung eines Autos fällt laut VCÖ bereits bei der Herstellung eines Autos an, ein weiterer Teil bei der Verschrottung. Zudem verursache ein neuer Diesel-Pkw mehr Feinstaub und Stickoxide als ein zehn Jahre alter Benzin-Pkw. Auch die Hoffnung auf großen Nutzen für die privaten Autofahrer wird sich nach Ansicht des VCÖ nicht erfüllen, weil jeder zweite Neuwagen in Österreich von einem Unternehmen oder der Öffentlichen Hand angeschafft werde und die staatliche Subvention noch dazu eine Umverteilung von schlechter Verdienenden zu Besserverdienenden bringe.

"Statt sich in einzelne Maßnahmen zu verbeißen, sollte offen darüber diskutiert werden, wie die wichtigen Ziele des Klimaschutzes, der Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung tatsächlich erreicht werden können", unterstrich der VCÖ-Experte Martin Blum. Eine Verschrottungsprämie oder Steuernachlässe beim Autokauf helfe diesen Zielen nicht. Zudem sei der VCÖ der Ansicht des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, wonach deutsche Autos nach "neun Jahren keine Schrottkisten sind".

Kritik an dem Vorhaben kam am Montag auch vom Verein "Probahn", der fordert die für eine Verschrottungsprämie notwendigen Mittel stattdessen in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu investieren, etwa für O-Bus-Projekte oder die Prämie nur für den Ankauf von Elektroautos zu gewähren, weil das die Abgasbelastung reduzieren würde.

Der FPÖ-Verkehrssprecher und Generalsekretär Harald Vilimsky fordert hingegen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf, bei der Einführung einer Verschrottungsprämie auf die bisher genannte Obergrenze von 2.500 Euro zu gehen. "Die rund 350.000 Beschäftigten im heimischen Automobilsektor bräuchten dringend einen Impuls der Regierung. Im Bankensektor war die Regierung auch mehr als großzügig, nun brauche es dringend einen Rettungsschirm für den heimischen Automobilsektor", so Vilimsky. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach Ansicht des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sind deutsche Autos nach "neun Jahren keine Schrottkisten".

Share if you care.