Rote-Khmer-Prozess vertagt

18. Februar 2009, 13:35
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Fortsetzung des Tribunal tagt erwartungsgemäß erst wieder im März - Lebenslange Haftstrafe für Chef-Folterer gilt als sicher

Phnom Penh - Nach zweitägigen Verhandlungen wird der historische Prozess gegen den Chef-Folterer des grausamen Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha nun im März fortgesetzt. Das gab das Völkermord-Tribunal in Kambodscha am Mittwoch bekannt. Dann wird die erste öffentliche Vernehmung des Angeklagten Kaing Guek Eav (66) alias Duch erwartet, der laut Anklage persönlich für mindestens 12.380 Todesurteile verantwortlich war. Der Verteidiger hat schon angekündigt, dass sein reuiger Mandant aussagen wolle. Die Höchststrafe - lebenslang - gilt Prozessbeobachtern schon jetzt als sicher.

Duch ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er nahm am Mittwoch wie bereits am ersten Prozesstag aufmerksam an der Verhandlung teil. Er war unter der Rote-Khmer- Schreckensherrschaft Direktor des berüchtigten Foltergefängnisses Tuol Sleng, genannt "S21", in dem nach Schätzungen 16.000 Menschen ums Leben kamen. Das Regime fiel nach drei Jahren, acht Monaten und 20 Tagen im Januar 1979. Duch versteckte sich 20 Jahre und stellte sich, nachdem Journalisten ihn aufgespürt hatten. Angeklagt sind auch vier betagte Vertreter der damaligen Führungsriege. Der Prozess gegen sie beginnt erst im nächsten Jahr.

Die Verhandlung war auch am zweiten Tag mit juristischen Anträgen und Justizjargon für Beobachter verwirrend. "Ich habe jetzt zwei Tage zugehört, aber ich verstehe das Prozedere nicht", sagte Vann Nath, den Duch in Tuol Sleng nur überleben ließ, weil er schöne Ölbilder von Regimechef Pol Pot malen konnte. "Aber wir haben jetzt so lange gewartet, dass wir auch weiter warten und zusehen können, bis der Gerechtigkeit genüge getan ist."

Ankläger und Anwälte debattierten vor den Richtern teils hitzig über die Zulassung eines sieben Minuten langen Schwarz-Weiß-Films, den vietnamesische Soldaten kurz nach der Befreiung von Tuol Sleng gedreht hatten. Darauf waren noch an Gitter gekettete Leichen zu sehen, und Kinder, die sich verstört unter einem Haufen Lumpen versteckt hatten. Das Material war erst vor kurzem aufgetaucht. Die Verteidiger legten Einspruch gegen den Film als Beweisstück ein.

Duchs Anwalt Kar Savuth stellte die Echtheit des Materials in Frage und sagte diffus, der Antrag auf Zulassung als Beweismaterial sei "politisch motiviert". "Man kann seine Schuld eingestehen so viel man will, aber trotzdem muss das Gericht die Schuld beweisen," erwiderte Staatsanwalt Robert Petit verärgert. "Das geht nur, wenn alles Beweismaterial präsentiert wird." (APA/dpa)

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    Kang Kek Ieu (Kaing Guek Eav), genannt "Deuch" (Duch), wird der Prozess gemacht

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