
Erwerbsarbeit ist nicht mehr per se existenzsichernd. Das Phänomen der "Working Poor" nimmt weiter zu.
In Österreich kann man sehr gut leben – unter anderem dann, wenn man zu dem einen Prozent der Bevölkerung gehört, das mindestens eine Million Euro an Vermögen zur Verfügung hat. Ist man hingegen arbeitslos, alleinerziehend oder MigrantIn; hat man nur einen niedrigen Bildungsabschluss oder viele Kinder oder befindet sich in einem sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnis, sieht es weit weniger rosig aus: Etwa eine Million ÖsterreicherInnen – vorrangig aus den genannten Gruppen – leben mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. (Siehe auch Wissen: Was ist die Armutsgefährdungsgrenze?)
Das geht aus dem zweiten österreichischen Armuts- und Reichtumsbericht hervor, der heute in Wien von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) präsentiert wurde. Während Vermögen und Reichtum immer mehr zunehmen – das Geldvermögen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 2.155 Milliarden Euro verdoppelt – stiegen die die Einkommen im unteren Einkommensdrittel im selben Zeitraum nur um neun Prozent.
Armut trotz Arbeit
Aus den armutsgefährdeten Gruppen sticht besonders eine hervor: Die der sogenannten "Working Poor". Rund 230.000 Menschen sind in Österreich trotz regelmäßiger Erwerbstätigkeit arm oder armutsgefährdet – um zwölf Prozent mehr als noch 2003. Erwerbsarbeit ist nicht mehr per se existenzsichernd.
Dass das Netz des Sozialstaats ein unbedingtes Muss ist, zeigen Zahlen über die Effekte der Sozialleistungen. Ohne diese wären sogar 43 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet.
Diese Stützleistungen werden auch von immer mehr Menschen in Anspruch genommen. 2006 bezogen um 77 Prozent mehr Personen Sozialhilfe als zehn Jahre zuvor. Vor allem in Städten sieht es für die Gruppe der MigrantInnen düster aus. In Wien betrifft das Problem der Armutsgefährdung zu 50 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund.
Mindestsicherung auch ohne Kärnten
Die Studienautoren und Sozialexperte Emmerich Tálos richten angesichts der Zahlen eindringliche Appelle an die Politik. Eine bedarfsorientierte Mindestsicherung sei "unumgänglich notwendig", so Tálos – notfalls auch ohne das sich dagegen sträubende Kärnten. "Wenn Kärnten nicht mitmacht, dann ist jetzt der Zeitpunkt,um klar und deutlich zu sagen: Machen wir es ohne Kärnten", so der Politologe.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist für die Experten die Steuerpolitik. Deren Gestaltung habe, so ÖGPP-Vorsitzender Andreas Höferl, "maßgeblichen Einfluss" auf die Entwicklung der Schere zwischen Armen und Reichen. 90 Prozent aller Steuern stammen in Österreich aus Erwerbseinkommen, die Quote der Vermögensbesteuerung ist die geringste in der gesamten OECD. Während die Steuern auf Erwerbsarbeit und Einkommensverwendung seit 2004 um sieben Milliarden Euro gestiegen sind, sind das die Steuern aus Vermögen und Vermögenseinkommen nur um 200 Millionen Euro - trotz des starken Anstiegs der Vermögensmasse.
Schieflage im Steuersystem
"Wenn wir so weitermachen, schaffen wir eine komplette Schieflage im Steueraufkommen – Menschen mit geringen Einkommen zahlen alles, was zur Verteilung dient", warnt Tálos. SP-Sozialstadtrat Rudolf Schicker gab zu, dass "eineinhalb Jahre sozialdemokratische Regierungsbeteiligung offenbar nicht ausreichen, um den Schwerpunkt auf Armutsbekämpfung zu legen". Er forderte einen "solidarischen Beitrag von den Reichen" ein. "Das einzige, womit man Armut beseitigen kann, ist miteinander Teilen", zitierte passend dazu der ÖGPP-Chef die Mutter Teresa. (Anita Zielina, derStandard.at, 19.1.2009)
Info
Der Armutsbericht 2008 zum Download.
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Die Mindestsicherung soll im Herbst 2010 kommen, allerdings deutlich abgespeckt
Bei einem Bruttogehalt von € 2.500,00
beträgt die Gesamtabgabenquote (Lohnabgaben Arbeitgeber, SV & Lohnsteuer Arbeitnehmer) deutlich über 50%.
d.h. von Gesamtkosten von € 3.282,50 (!) bleiben € 1.617,42 netto. Diese Gesamtkosten muss der Dienstgeber erst einmal verdienen (bzw. muss ihm der Dienstnehmer bringen)
Es wäre an der Zeit, zumindest die Bruttogehälter auszuzahlen und die Arbeiternehmer überweisen selber an das Finanzamt bzw. die Soz.Vers. damit endlich allen klar wird, was hier wirklich gespielt wird.
aber die selbsternannte arbeitnehmerpartei spö will ja nicht die övp reizen.
und der ögb? wann wird verzetnitsch zu verantwortung gezogen?
österreich leidet unter den großparteien, wobei natürlich auch die grünen samt blauen unnötig sind.
nur eine Lösung ist das auch nicht.
Ein Lösung wäre nur eine gerechtere Verteilung der Steuer- und Abgabenlast. Und das heißt eine Angleichung unseres Steuersystems an die übrige Welt. Weniger Belastung der Erwerbseinkommen, mehr Belastung der Einnahmen aus Aktien, Kapitalertrag, Vermögen, etc. Das wird'saber mit einem VP-Finanzminister nicht spielen.
Ich bin für die gleiche Belastung aller Einkünfte. Nicht nur die ESt., auch die Sozialabgaben müssen für alle Einkünfte anteilig gelten. Damit wären die Kassen saniert und die kleinen Einkünfte würden nicht überpropotional viele Abgaben zahlen müssen.
übrige welt? da müssten wir einmal von unseren weltrekorden an sozial- und abgabenquote runterkommen, nicht noch höhere abgaben beschließen.
zahlen tun das alles übrigens die "reichen":
http://diepresse.com/home/wirt... l%3Cbr/%3E
wird meine Meinung exakt bestätigt:
"2,8 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen verdienen im Jahr mehr als 70.000 Euro. Diese kleine elitäre Gruppe trägt allerdings 26,6 Prozent der gesamten Lohnsteuerlast."
Jaja, wenn man nur die Lohnsteuer sieht und nicht die Gesamtbelastung, dann kommen solche Rechnungen raus.
Ich will nicht höhere Abgaben, sondern gleichverteilte. Wenn alle Einkommen gleich behandelt werden, dann würden die obigen 2,8 Prozent weit weniger Lohnsteuer zahlen müssen.
Und leistungsorientierter wären wir dann auch.
kinderreiche mit einem haus sind kein mittelstand.
wenn sie schulden haben sind die arm.
wer ein haus um mehrere zigtausend euro besitzt und viele kinder hat und dazu keine schulden, ist reich.
kinderreichtum kann sich nur das övp-klientel leisten, alle anderen werden dafür bestraft.
Jaja, finanziell werden Kinder recht gut gefördert.
Was ich Ihnen aber sagen kann, SOZIAL wird man mit mehr als drei Kindern ziemlich ins Eck gestellt. Sage ich ihnen als Vater von fünf.
Ein anderer Vater von fünf aus der vorigen Generation hat mir Mal gesagt, "wer das Finanzielle als Ausrede benutzt, keine Kinder zu bekommen, hat die Sache nicht verstanden". So ist es. Aber der soziale Druck ist enorm, und der wird heute viel eher als Ausrede benutzt: keine Mobilität, kein"Vergnügen", keine Karriere, an Haus und Herd gefesselt. Etc. etc. Und das läßt sich nur durch intelligente Familienförderungen (flexible Betreuungsprogramme, flexible Schulformen, etc) ändern.
Nehmen wir z.b. die kinderreichen Familien: Ist es so, dass Familien, die Kinder bekommen, plötzlich arm werden? Oder ist es nicht häufig vielleicht eher so, dass in bildungsfernen Unterschichtsfamilien einfach überproportional viele Kinder auf die Welt kommen - und das nicht unbedingt immer, weil die Kinderliebe in diesen Familien so ausgeprägt ist?
Und sind es tatsächlich DIE Migranten, die überproportional häufig armutsgefährdet sind? Oder trifft das nicht vor allem auf bestimmte Migrantengruppen zu - vielleicht jene, innerhalb welcher z.B. die Berufstätigkeit von Frauen eher nicht erwünscht ist?
Da haben Sie Recht.
Wobei ich auch der Meinung bin, dass einige diese Strukturen fördern (möchten), ohne überhaupt zu schnallen, dass sie das tun.
Wenn ich etwa daran denke, dass so mancher Linker im Duett mit der Wirtschaft nach unbeschränkter Zuwanderung schreit, kann ich ehrlich gesagt nur mehr den Kopf schütteln (nicht über die Wirtschaftstreibenden natürlich, die wissen schon genau, was sie tun).
Ich, als Linker, schon, aber die Wirtschaftstreibenden? Ich hörte da schon viel von "kontrollierter zuwanderung", Schlüsselarbeitskräften (damit geht dann die Kürzung der Aus/Bildung in Österreich im EInklang) etc., aber "unbeschränkt"? Lesen Sie schon Nachrichten, oder posten Sie nur?
Außer vielleicht, dass sich ein paar Wiener am Viktor-Adler-Markt ihren (leider nicht immer ganz unbegründeten) Frust von der Seele klatschen können.
Was uns die von SPÖ (und ÖVP) in den letzten Jahrzehnten betriebene Zuwanderungs- und Integrationspolitik gebracht hat, ist allerdings auch nicht gerade erfreulich.
Gerade am Beispiel Wien sieht man sehr schön, was Sache ist: Wir haben uns zu keinem geringen Teil eine neue Unterschicht importiert. So blöd muss ein Land erst einmal sein.
... also ich bin wirklich nicht arm und kann von meinem Einkommen recht gut leben, wenn ich mir allerdings so ansehe was hier monatlich an Steuern fließt, bin ich nicht der Meinung, dass die Ärmsten hier den Löwenanteil zahlen. Ich glaube, dass hier die Mittelschicht den größten Anteil zu tragen hat.
Der "Mittelstand" blühte auf, wenn 1 Million Menschen nicht für Hunger arbeiten müssten, sondern sich auch Reperaturen und Anschaffungen leisten könnten.
Das Verelenden beginnt zwar bei den Abhängigen, ist aber nur ein Zeichen der Abzockerei durch Nichtsnutze, weil die Produkutivität steigt beträchtlich.
Wohin verschwindet dieser Fleiß?
70 Milliarden € sind nur vom Bund den Menschen abgepresst. Was wird davon zurückgegeben?
Wer rechnet kommt darauf - die Rückgabe ist nicht die Hälfte des Bezahlten wert. Freunderl, Parteien, Sinnlosprass und Verschwendung bei Beamten, Aktiv und Pension, verkleinern den Erwerbsüberschuß zu Brosamen.
Die Verschwendung 1 Jahrzehnts kostet die Vollisolierung aller Häuser Österreichs.
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