Im Slalom zum Zweitwohnsitz

19. Jänner 2009, 09:07
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Im Winter ist der Wunsch nach einem Apartment oder Ferienhaus in den Skigebieten groß. Da das Angebot an Zweitwohnsitzen gering ist, haben einige Unternehmen Schlupflöcher gefunden

Noch liegt das Dorf ruhig und friedlich da. Noch ist nichts davon zu spüren, dass schon am kommenden Tag 550 Gäste in das neu errichtete Feriendorf einfallen und die weiß verschneiten Häuser jäh aus ihrem Dornröschenschlaf reißen werden. In Rauris im Nationalpark Hohe Tauern hat die Austrian Chalets GmbH eine Ferienanlage mit 114 Apartments errichtet. Mit viel Holz und Satteldach obendrauf bemühen sich die Häuser um ein einheitliches, traditionelles Erscheinungsbild. Wirklich modern ist nur das verglaste Klubhaus mitsamt Schwimmbad und Spa.

Längst sind die Ferienwohnungen nicht mehr in Besitz der Errichtergesellschaft, sondern sind Eigentum britischer, niederländischer oder etwa deutscher Familien. Zwar haben sie für eine Wohnung im Schnitt 185.000 Euro bezahlt, dafür dürfen sie sie im Jahr allerdings nur drei Wochen lang nutzen. Die restliche Zeit werden die Häuser vom Reiseveranstalter Eurotours vermarktet. Da das Gebiet nicht als Zweitwohnsitz gewidmet ist, mussten die Eigentümer des Ferienressorts dieser Klausel vertraglich zustimmen.

Schlupflöcher

Laut Austrian Chalets erzielen die Objekte eine Rendite von fünf bis sechs Prozent. Vor allem in den Niederlanden ist dies eine beliebte Form der Pensionsvorsorge. Doch auch hierzulande erwerben immer mehr Familien ein Ferienhaus oder Apartment, das sie für einige Wochen im Jahr selbst nutzen und für die restliche Zeit an andere Gäste weitervermieten. Maklerbüros wie etwa Absolut Immobilien aus Zell am See haben in ihrem Büro mittlerweile eine eigene Vermittlungsagentur integriert. Auf diese Weise unterstützen sie ihre Kunden bei der Weitervermietung an Touristen.

Kritiker befürchten, dass derartige Liegenschaften und Ressorts in ein paar Jahren zu illegalen Nebenwohnsitzen werden könnten. "Das Problem ist, dass viele Anbieter die Verträge nur noch kurzfristig abschließen und die Objekte eines Tages zu Zweitwohnsitzen werden", erklärt Ursula Riegler von der Salzburger Landesregierung. "Das sind Objekte in den schönsten Lagen, in denen ein Einheimischer niemals eine Baubewilligung bekommen würde, geschweige denn sich das Bauland leisten könnte."

In Skigebieten ist das Angebot an Apartments, die als Zweitwohnsitz genutzt werden dürfen, besonders rar. Immer wieder werden Schlupflöcher gesucht und gefunden, um doch noch irgendwie in Besitz der eigenen vier Wände am Urlaubsort zu kommen. Tiroler und Salzburger Gemeinden kämpfen schon seit Jahren dagegen an - vor allem wegen des damit verbundenen Anstiegs der Immobilienpreise.

Bis zu 25.000 Euro Strafe

Um dieser Entwicklung endlich einen Riegel vorzuschieben, wurde in Salzburg Anfang Dezember das Grundverkehrsgesetz novelliert. Von nun an müssen sich Käufer schriftlich dazu verpflichten, ihr Eigentum nicht als Zweitwohnsitz zu nutzen. Bei Missbrauch werden Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro verhängt. Im Extremfall kann es sogar zu einer Rückabwicklung des Kaufes kommen.

Ganz anders ist die Situation am Katschberg in Kärnten, wo die Eigentümer die Wahl haben, ob sie ihr Apartment als Haupt- oder als Zweitwohnsitz, ob sie es vermieten oder doch lieber selbst nutzen wollen. In unmittelbarer Nähe eines ihrer Hotels lässt die Falkensteiner Michaeler Tourism Group vom Mailänder Designer Matteo Thun zwei Wohntürme errichten, die auf den Namen "edel:weiss Residences" hören.

Die exklusiven Wohnungen kosten zwischen 4000 und 8000 Euro pro Quadratmeter. Ein Drittel der Objekte ist bereits verkauft. Beim Kauf können sich die Kunden entscheiden, welche weiteren Dienste sie gegen Aufpreis in Anspruch nehmen wollen: den Concierge-Dienst, die regelmäßige Reinigung oder etwa die Kinderbetreuung. Auch der hoteleigene Spa-Bereich kann mitbenutzt werden.

"Wir bieten den Apartmentbesitzern auch an, Urlaubsgäste zu buchen", sagt Götz Lachmann von der Falkensteiner Michaeler Tourism Group, "ein Angebot, das von immer mehr Käufern wahrgenommen wird." (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.1.2009)

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