Mit dem "Burkini" ins Hallenbad

19. Jänner 2009, 08:58
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Berlin erlaubt für muslimische Schwimmerinnen Ganzkörperkleidung - "Slim Fit"-, "Modest Fit"- und "Active Fit"- Schnitte

lBerlin - Mit langen Ärmeln und Beinen, Kapuze und Tunika verhüllt der sogenannte Burkini die Schwimmerin komplett und wirkt dabei auf den ersten Blick nicht schwimmtauglich. Für gläubige Musliminnen ist er allerdings das einzige Kleidungsstück, mit dem sie sorglos ins Wasser gehen können. In Berliner Hallenbädern wird der Burkini - eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini - jetzt erstmals probeweise zugelassen.

Ohne großes Aufsehen und im Einvernehmen mit den Berliner Bäder-Betrieben genehmigte Innensenator Ehrhart Körting im Dezember den zunächst bis Sommer befristeten Versuch. Damit folgte der SPD-Politiker der Praxis auch in anderen Bundesländern. Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe, Klaus Lipinsky meinte es gebe keine vernünftigen Gründe, den Burkini nicht zuzulassen: "Wir sind eine multikulturelle Stadt... Hier ist ein bisschen Toleranz gegenüber Andersgläubigen gefragt."

Nachteile aufgewogen

Körting sieht die Sache gleichwohl differenziert. Zwar stelle sie seiner Meinung nach eine Integrationsmaßnahme für muslimische Frauen dar. Gleichzeitig dürfe sie nicht dazu führen, dass Frauen dazu gezwungen würden, diese Ganzkörper-Badebekleidung statt eines normalen Badeanzugs zu tragen. Diese Kehrseite sieht auch Lipinsky. Die Nachteile würden aber schon dann aufgewogen, wenn auch nur ein paar muslimische Mädchen infolgedessen schwimmen lernten, meinte er.

Erfunden wurde der Burkini von einer Tochter libanesischer EinwandererInnen in Australien, der es wenig Spaß machte, in ihrer Burka ins Wasser zu steigen, denn diese wurde vollgesogen schwer wie Blei. Inzwischen tragen den Burkini in Australien sogar Rettungsschwimmerinnen.

In Berlin setzte sich Nele Abdallah für die Zulassung in Schwimmbädern ein, die die vierteiligen Anzüge über ihre Firma Dressed To Swim vertreibt. Dort gibt es Modelle aus Polyester und Elasthan in verschiedenen Farben und Mustern. Andere Internetseiten bieten "Slim Fit"-, "Modest Fit"- und "Active Fit"- Schnitte an, je nachdem wie sehr sie die Silhouette des Körpers verschleiern.

In Berlin wird laut Lipinsky nur zugelassen, was keine Rüschen und Schlaufen hat, in denen sich die Schwimmerin verheddern könnte. Sicherheit und Hygiene ist oberstes Gebot. Das Material muss leicht sein und darf sich nicht wie Baumwolle voll Wasser saugen. Im Juli ließ sich der Vorstand zusammen mit Schwimmmeisterinnen und Fachleuten eine Kollektion vorführen. Sie warfen auch einen Anzug einfach mal ins Wasser, um sich davon zu überzeugen, dass er oben treibt.

Zur Probe

Probeweise wird der Burkini nun zunächst in zwei Berliner Hallenbädern zugelassen und das nur während der Frauenschwimmzeiten. Stichprobenartig sollen die Bademeisterinnen kontrollieren, ob es sich tatsächlich um einen Badeanzug handelt und nicht um Straßenkleider oder gewöhnliche Sportbekleidung.

Mit einem Blick festzustellen ist das oft nicht. Einige Marken-Burkinis haben zwar aufgenähte Typenschilder, andere kann man nur erkennen, indem man das Gewebe anfasst. Das weibliche Personal soll sich stichprobenartig auch davon überzeugen, dass die Schwimmerin keine Unterwäsche trägt. Hält sie sich nicht an die Vorschriften, kann sie des Bades verwiesen werden.

Verläuft der Pilotversuch erfolgreich, soll der Burkini in der Sommersaison auch in den Berliner Freibädern zugelassen werden. Lipinsky zeigte sich sicher, dass die neuartige Badebekleidung über kurz oder lang auch von den nichtmuslimischen Schwimmbad-BesucherInnen akzeptiert wird, auch wenn er am Anfang vielleicht Diskussionen auslöst. Dass der Burkini von vielen Frauen getragen werden wird, hält er indes für unwahrscheinlich. "In geringem Umfang wird er Bestandteil unseres alltäglichen Lebens", meinte er. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Burkini-Trägerin in Australien.

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