Schuhwerfer will in der Schweiz Asyl beantragen

19. Jänner 2009, 15:27
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Nach Angriff auf Bush drohen Montasser al-Zaidi bis zu 15 Jahre Haft

Genf - Der international als Schuhwerfer von Bagdad bekanntgewordenen irakische Journalist Montasser al-Saidi beantragt politisches Asyl in der Schweiz. Das Büro seines Genfer Anwalts Mauro Poggia bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Genfer Zeitung "Tribune de Genève". Der 29-Jährige hatte Mitte Dezember mit seinen Schuhen nach US-Präsident George W. Bush geworfen und damit weltweit für Aufsehen gesorgt. Der seit dieser Wurfattacke im Irak inhaftierte Journalist fürchte nun dort um sein Leben, hieß es in Genf weiter.

Er werde schikaniert und habe eine Verletzung am Auge und Rippenbrüche davon getragen, erklärte Poggia unter Berufung auf den irakischen Anwalt des Journalisten. Auch könne er im Irak nicht mehr seinem Beruf nachgehen, da er sehr kritisch gegenüber der gegenwärtigen Regierung eingestellt sei.

Die Familie des Schuhwerfers sei über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Anfang des Monats mit im in Kontakt getreten, sagte Poggia. Er werde noch in dieser Woche an das Schweizer Außenministerium schreiben, um eine Unterstützung des Asylantrags zu erreichen. Die Familie sehe die Schweiz als Land des Friedens und der Menschenrechte, und Genf sei ein Symbol für die Offenheit.

Journalist bei der UN

Der Junggeselle Saidi könne dann in Genf bei den Vereinten Nationen als Journalist arbeiten, meinte der Anwalt. Im Irak sei der Mann auf das Wohlwollen aller Arten von Extremisten angewiesen, die unter anderem aus ihm einen Märtyrer für die Leiden einen ganzen Volkes machen wollten. "Sein Leben kann in seinem Heimatland zur Hölle für ihn werden."

Die ursprünglich für Ende Dezember anberaumte Eröffnung des Prozesses gegen den Schuhwerfer im Irak war auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Saidi bereut seine Tat Berichten zufolge nicht. Auch wenn er den US-Präsidenten nicht getroffen hatte, wiegt die Beleidigung schwer, da Schuhe für Muslime als unrein gelten.

Parlament ohne Vorsitzenden

Das irakische Parlament muss vorerst ohne Vorsitzenden auskommen. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Iraq meldete, eine Sitzung, die am Montag zur Wahl eines Nachfolgers für den im Dezember zurückgetretenen Parlamentspräsidenten Mahmoud al-Mashhadani einberufen worden war, sei auf den 4. Februar verschoben worden.

Schon vor der Sitzung hatten Parlamentarier angedeutet, die Wahl des Parlamentspräsidenten könne auf die Zeit nach den Provinzratswahlen am 31. Jänner verschoben werden.

Mashhadani war zurückgetreten, nachdem er während eines Streits um den Journalisten, der seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush geworfen hatte, einen Wutanfall bekommen und erklärt hatte, das irakische Parlament sei "das miserabelste Parlament der Welt". Seither streiten die Parteien in Bagdad darum, wer eine Kandidaten für das Amt nominieren darf. (APA/dpa)

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