Ein "Cop" fischt Raser von der Piste

18. Jänner 2009, 20:54
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Er hält Raser und Vandalen an - und nimmt ihnen die Liftkarte ab - Im Auftrag der Liftbetreiber

Sie halten Raser und Vandalen an – und nehmen ihnen die Liftkarte ab. Manfred Berger und seine 60 Mitarbeiter setzten für Liftgesellschaften deren "Hausrecht" auf den Pisten durch – Von Thomas Rottenberg

Kitzbühel – Es gebe, sagt Manfred Berger, auch auf angeblich komplexe Probleme einfache Antworten. Und Skiunfälle, meint der 48-Jährige, sind ein solches Thema. Denn während Politik und Alpinfunktionäre beim Thema Raserei, Rowdytum und Selbstüberschätzung der Skifahrer einen Helmpflicht-Eiertanz aufführen, ist Berger sicher, dass es "da eine einfache Lösung gibt: uns".

Unfälle um 18 Prozent zurückgegangen

Großspurig, wehrt sich der einstige Skilehrer, sei das mitnichten: In den Skigebieten, in denen Bergers vor sechs Jahren gegründete Pisten-Security.at Dienst macht, sind die Unfälle um 18 Prozent zurückgegangen. Liest jedenfalls der Firmengründer aus Unfallstatistiken von Skigebieten wie Gerlitzen, Kitzsteinhorn, Kitzbühel, Koralpe oder Goldeckgruppe "eindeutig" heraus.

Wir arbeiten im Auftrag der Liftbetreiber

Mittlerweile beschäftigt der Veldener, der im Sommer eine Segelschule am Wörthersee betreibt, 60 Mitarbeiter. Und auch wenn der Terminus nicht stimmt, hat keiner ein Problem damit, "Pistenpolizist" genannt zu werden: "Wir fischen Raser und Vandalen heraus", erläutert der Schnee-Security-Mann, "und nehmen ihnen die Liftkarten ab." Das, betont Berger, dürfe er auch ohne Exekutivgewalt: "Wir arbeiten im Auftrag der Liftbetreiber. Wer eine Liftkarte kauft, akzeptiert deren Bedingungen, und die räumen der Liftgesellschaft auf der Piste Hausrecht ein."

Präventionsarbeiter

Rücksichtslose Pistenbenutzer, die ohne Karte unterwegs sind und sich etwa auf Wanderern zustehende Wegnutzungsrechte berufen, gibt es de facto nicht. Ebenso selten stellt man rasende Juristen, die ihr vermeintliches Recht auf Gemeingefährdung bis vors Gericht tragen. Das könnte aber auch daran liegen, dass allein die Präsenz der einheitlich gekleideten Abfahrtswächter auf potenzielle Skirowdys oft kalmierend wirkt: "Wir sehen uns als Präventionsarbeiter. Wir sind sichtbar – das hilft, dass Bergrettung oder Alpingendarmerie weniger oft ausrücken müssen", sagt Berger.

Ansatz vom privaten Zugriff diskutabel

Sein Ansatz vom privaten Zugriff im öffentlichen Raum mag in der Theorie diskutabel sein – in der Praxis funktioniert er: Beim Hahnenkammrennen stellt der Kärntner heuer zum wiederholten Mal das Sicherheitsteam. Und auch beim ÖSV verweist Breitensport-Bereichsleiter Tomas Woldrich gerne darauf, dass die Methode des Ski- und Segellehrers aus Velden die richtigen Ergebnisse bringt.

Helmpflicht nur mit Kontrolle

Einfache Antworten, weiß Berger, haben aber nur Sinn, wenn sie auch umgesetzt werden: "Die Helmpflicht bringt nur etwas, wenn sie jemand kontrolliert und Regelbruch sanktioniert." Konsequentes Handeln, betont der Ski-Hardliner, müsse dann aber auch die alpine "Gaudi"-Industrie akzeptieren: "Alkohol auf der Piste wird immer noch bagatellisiert: Die Wirte erklären besoffen Ski zu fahren ständig zum Kavaliersdelikt. Das muss ein Ende haben."(Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 19.1.2009)

Ein "Cop" fischt Raser von der Piste

Webtipp: pisten-security.at

  • Manfred Berger ist seit sechs Jahren als "Pistenpolizist" im Einsatz. Beim Hahnenkammrennen stellen er und seine Mitarbeiter auch heuer wieder das Sicherheitsteam
    foto: rottenberg

    Manfred Berger ist seit sechs Jahren als "Pistenpolizist" im Einsatz. Beim Hahnenkammrennen stellen er und seine Mitarbeiter auch heuer wieder das Sicherheitsteam

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