Kick it like Radovan

26. Jänner 2009, 17:25
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Tomas Radovans "Rado Sport" hält der Konkurrenz von Intersport & Co. locker stand – Balkan-Klischees nimmt der Serbe mit Humor

Hervis, Interport Eybl, Sport 2000 & Co.: Österreichs Sportartikelhandel wird von den Großen dominiert. Ein Geschäft, das sich gegen die umsatzstarken Ketten zur Wehr zu setzen weiß, ist Rado Sport in Wien Ottakring: "Wir haben eine kleine Marktlücke entdeckt, unser Geschäft ist Spezialist in Sachen Fußball", sagt der aus Serbien stammende Geschäftsgründer Tomas Radovan.

Geschäftlicher und sozialer Treffpunkt

Rund 400 Quadratmeter sind Österreichs Breitensport Nummer eins gewidmet. Vor einem Jahr eröffnete die zweite Filiale von Rado Sport, ebenfalls in Ottakring. Die Besucher des Sportgeschäftes scheinen aber nicht nur zum Geldausgeben zu kommen. Tomas Radovan begrüßt einen alten Bekannten, ebenfalls serbischer Herkunft, der auf eine Tasse Kaffee vorbeikommt. Ein Begrüßungskuss auf die linke Backe, auf die rechte und wieder auf die linke. "Als diese Filiale vor einem Jahr eröffnete, habe ich eine Kaffee-Ecke eingeplant. Hier ist Zeit für kurze Besprechungen mit Kunden und Geschäftspartnern", so Radovan. Der Geschäftsführer bedient und berät Kunden, zwischendurch tauscht er Neuigkeiten mit seinem Besucher aus und beantwortet Telefonanfragen: "Ich rede oft mit vier oder fünf Leuten gleichzeitig, meine Frau wundert sich immer, wie ich das mache", erzählt Radovan.

Jogginghose und Badeschlapfen

Ein langjähriger Freund aus Niederösterreich gesellt sich dazu. Auf Balkan-Klischees angesprochen, wird die kleine Runde euphorisch: "Jogginghose und Badeschlapfen? Natürlich! Außer mit weißen Socken, dann muss es ein Deutscher sein", lacht Tomas Radovan. Er hat gelernt Klischees mit Humor zu nehmen.

Durch den Sport nach Österreich

Der 40-Jährige besuchte im ehemaligen Jugoslawien ein Gymnasium, bevor er erfolgreich die Aufnahmeprüfung zum Jus-Studium meisterte. Doch als Jurist sah sich Tomas Radovan damals nicht, er wollte Fußballspielen: So kam der Sportler 1989 nach Österreich. Der semiprofessionelle Fußballspieler war bis vor einigen Jahren sportlich aktiv und gründete 1994, fünf Jahre nach seiner Einreise, gemeinsam mit seiner Frau Rado Sport. Die Spezialisierung auf Fußball war nahe liegend.

Sportliche Migranten

Ein Lehrling bringt dem Geschäftsführer das Telefon – ein wichtiger Kunde, mit dem Radovan serbokroatisch spricht: "40 bis 50 Prozent unserer Kunden haben einen Migrationshintergrund, das ist auch in den anderen Sportgeschäften ähnlich", so Radovan. "Außer vielleicht in der Bergsportabteilung bei Eybl." Wodurch sich Rado Sport von den anderen Sportgeschäften abhebt, ist die Zusammensetzung der Belegschaft: Vier der fünf Mitarbeiter kommen aus Einwandererfamilien. "Ich rate jedem, der in ein fremdes Land geht oder gehen muss, so schnell wie möglich die Sprache zu lernen" empfiehlt Radovan mit Nachdruck. "Ich konnte mich zum Glück schon bei der Geschäftsgründung gut auf Deutsch verständigen."

In zwei Ländern daheim sein

Mit Hilfe seiner Frau, einer Österreicherin mit kroatischen Wurzeln, die sowohl Serbokroatisch als auch Deutsch spricht, war das Erlernen der Sprache für ihn kein großes Problem. Für Tomas Radovan ist klar: Migranten sollten sich zu einem gewissen Grad an das neue Land anpassen. Inwieweit sie sich integrieren, müssten diese aber selbst entscheiden. Was für den Vater eines neunjährigen Sohnes allerdings geregelt gehöre, sei die Wohnsituation: "Die Politik muss Ghettobildung bei Einwanderern verhindern. Das ist weder für Migranten, noch für Österreicher gut", sagt Radovan. Das Wichtigste sei aber, nicht auf die eigenen Wurzeln zu vergessen – das könne auch eine Bereicherung für das neue Heimatland sein. Radovan bezeichnet sowohl Serbien als auch Österreich als sein Heimatland, und er betont: "Hier bin ich voll integriert.". (Ursula Schersch, derStandard.at, 26.01.2009)

  • Tomas Radovan gründete gemeinsam mit seiner Frau 1994 Rado Sport
    foto: derstandard.at/schersch

    Tomas Radovan gründete gemeinsam mit seiner Frau 1994 Rado Sport

  • Artikelbild
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  • Marvin Wasserrab ist Lehrling bei Rado Sport und spielt bei Rapid U17
    foto: derstandard.at/schersch

    Marvin Wasserrab ist Lehrling bei Rado Sport und spielt bei Rapid U17

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