Krieg und TV-Unterhaltung

18. Jänner 2009, 19:49
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Die Ära Bush war von Krieg geprägt - Eine Rückschau auf Spiegelungen eines kriegerisches Zeitalters in Serienform

Die zu Ende gehende Ära Bush war von Krieg geprägt. Und selten zuvor wurde der Krieg so stark von der US-Unterhaltungsindustrie gestützt. Die Irak-Intervention in TV-Serienformat orientierte sich meist an Kommunikationsbedürfnissen von Regierung und Militär (woran wohl auch Obamas "Change" nichts ändert). Im Folgenden eine kleine Rückschau auf Spiegelungen eines kriegerisches Zeitalters in Serienform.

"Over there" (2005) sollte das (Über-)Leben einfacher Soldaten veranschaulichen, die gegen alle Widrigkeiten ihren Weg machen. Abgetrennte Gliedmaßen, drastische Sprache, persönliche Krisen - alles da, nur der Glauben an das Gute im Krieg geht nie verloren.

"The Unit" (ab 2006) lässt eine fiktive Spezialeinheit (inspiriert von der realen "Delta Force") weltweit eingreifen. Der einfache Soldat als Superagent glorifiziert Militärgesellschaft wie Interventionspolitik und schwelgt in Männlichkeitspathos. Hauptziel: Familien- und militärische Werte mithilfe des Ehrbegriffs zu vereinen.

"Threat Matrix" (2003) und "E-Ring" (2005) zeigten gestresste Spezialeinheiten in bester "24"-Tradition: Amerika muss geschützt werden, Terroristen lauern an jeder Ecke.

Die differenzierteste Betrachtung bot eine Miniserie des Senders HBO, der mit "Generation Kill", das Buch eines Embedded Journalist des Rolling Stone verfilmte. Tragische Fehlbombardements, kontraproduktiver militärischer Ehrgeiz, verstümmelte Zivilistenleichen, die Angst im Gefecht werden nur mit ein wenig naivem Idealismus einfacher Soldaten geradegerückt.

Bemerkenswert, dass das TV-Publikum gar nicht so viel vom Krieg wissen wollte: Nur die maßlose Verklärung von "The Unit" hat bis heute überlebt. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 19.1.2009)

 

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