Skiurlauber bleiben "reisefreudig"

18. Jänner 2009, 19:32
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Auf dem Innsbrucker Flughafen starten und landen die Maschinen im Minutentakt

Innsbruck - Nigel sitzt im Café in der Abflughalle des Flughafens Innsbruck und liest die Sun. Zufrieden, mit einem Sonnenbrand auf der Nase, trinkt er vor dem Heimflug noch ein großes Bier: "Alles so billig hier", erklärt er. Seine Frau streune irgendwo herum, so groß sei der Flughafen ja nicht. Angst, dass sie den Flug heim nach Leeds versäumen könnten, habe er daher nicht.

Reisen, solange Geld da ist

Er komme direkt aus Obergurgl, erzählt der Brite, zwei Wochen Skifahren im Ötztal bei besten Bedingungen. Finanzkrise? Die könne er als "kleiner Makler" ohnehin nicht beeinflussen, warum also nicht verreisen, solange das Geld da sei, meint Nigel: "Diesen Urlaub habe ich schon vor der Krise gebucht, vielleicht geht sich nächstes Jahr keiner mehr aus."

60 Starts und Landungen pro Stunde

Von einem Einbruch bei der "Reisefreudigkeit" sei derzeit noch nichts zu bemerken, bestätigt auch der Pressesprecher des Flughafens Innsbruck, Patrick Dierich. An jedem durchschnittlichen Samstag in der Wintersaison, also zwischen Mitte Dezember und Ende März, fliegen mindestens 10.000 Passagiere den Innsbrucker Flughafen an oder von ihm ab. An einem Spitzensamstag sind es sogar 15.000. Das heißt für den Airport an die 60 Starts und Landungen pro Stunde zwischen 5 und 23 Uhr. Die "Slots", also die Zeitfenster, die die Flieger benötigen, wenn sie einen Flughafen ansteuern, seien an Samstagen extrem klein.

Extremer Zeitdruck

"An diesen Tagen müssen wir funktionieren. Alle müssen zusammenspielen, Check-in, die Park-Sheriffs, die Passkontrolle, die Rückvergütung der Mehrwertsteuer für die Russen muss schnell funktionieren: Wenn etwas steht, dann steht alles", erklärt Dierich das Zusammenspiel in Extremzeiten.

Gäste

Alle 18 Check-in-Schalter sind an den Wochenenden durchgehend besetzt, die Schlangen mit Reisenden in der gesamten Abflughalle verteilt, überall Skisäcke, Sporttaschen, Snowboards. Die meisten Gäste kommen aus England, den Niederlanden und Skandinavien, auch für Russen ist Tirol beliebtes Urlaubsziel. Es sei wirklich billig hier in Tirol, erklärt ein finnischer Skiurlauber. Deshalb komme er immer wieder gern nach St. Anton.

Taxigeschäft

Es hatte schon so ausgesehen, als seien am Flughafen keine Taxis mehr zu kriegen. Einige Innsbrucker Taxler hatten Anfang Jänner sogar einen Tag lang gestreikt, da die Standgebühr am Flughafen um 100 Prozent auf 200 Euro pro Wagen und Saison erhöht worden war. Zu viel in Zeiten der Wirtschaftskrise, hatten die Taxifahrer gemeint. Mittlerweile konnten sich Taxi-Innung und Flughafen aber einigen, vor dem Flughafen warten wieder Taxler.

Prominente

Auf dem Rollfeld landet unterdessen ein Jet. Wenn Prominente wie etwa der russische Oligarch Roman Abramowitsch oder der deutsche Bundespräsident Horst Köhler in Innsbruck landen, werde dies "unaufgeregt" abgehandelt, sagt Flughafen-Sprecher Dierich. Es sei zwar intern bekannt, wem welcher Jet gehöre, aber bekanntgemacht werde das nicht: "Diskretion wird hier groß geschrieben." An einem Samstag im Winter stehen die Maschinen jedenfalls dicht gereiht.

Neue Pisten

Mit der Pistenerweiterung in Richtung Westen dürfte sich die Situation bei starkem Flugverkehr aber kaum ändern, diese werde nur gemacht, um "Sicherheitsstandards der Internationalen Zivilluftfahrt zu erfüllen". Vor rund einem Jahr hatten die Bauarbeiten zur Verlegung des Inns und damit zur Verlängerung der Start- beziehungsweise Landebahn begonnen. Sogar die Flussverlegung sei ökologisch sinnvoll, hatte der Umweltminister damals gesagt.

Pistenerweiterung

Die Baukosten für die Start- und Landebahn liegen bei 8,26 Millionen Euro. In Summe wurden etwa 250.000 Kubikmeter Material sowie 90.000 Flussbausteine bewegt. Im Frühjahr soll die Pistenerweiterung fertiggebaut sein und die Schotterwüste zwischen Flughafen und Inn wieder zur grünen Wiese werden.(Verena Langegger, DER STANDARD Printausgabe 19.1.2009)

 

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    Es sei wirklich billig hier in Tirol, erklärt ein finnischer Skiurlauber. Deshalb komme er immer wieder gern nach St. Anton. Die meisten Gäste kommen aus England, den Niederlanden und Skandinavien, auch für Russen ist Tirol beliebtes Urlaubsziel.

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