Schnupfen-Killer in Sprayform

18. Jänner 2009, 19:26
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An der Med-Uni Innsbruck wird ein neues Medikament gegen Schnupfen entwickelt - Mit Kortikoiden lindert man nicht nur Symptome, sondern macht auch den Schnupfenviren in der Nase den Garaus

Innsbruck - Gut schmeckt er derzeit wahrlich nicht, eher nach Schwimmbadwasser, doch es muss nicht so bleiben - die Rede ist von einem neuen Nasenspray gegen Schnupfen, der Abteilung für Hals-, Nasen-, und Ohrenkrankheiten der Medizinischen Universität Innsbruck erfunden wurde und sich gerade in klinischen Tests bewährt hat. Auch in geschmacklicher Hinsicht ist der Erfinder des Nasensprays Andreas Neher zuversichtlich: "Wenn das Produkt in die Apotheken kommt, dann schmeckt es möglicherweise sogar nach Apfel."

Sprays gegen Schnupfen gibt es bekanntermaßen schon länger. Doch mit den herkömmlichen Schnupfenmitteln werden immer nur die Symptome eines Schnupfens gelindert. Die Schleimhäute schwellen ab, kurzfristig ist Luftholen durch die Nase dadurch wieder möglich. Doch vorbei ist es mit dem Schnupfen trotzdem nicht, nach einigen Stunden setzt das Rinnen der Nase unvermindert wieder ein.

Geforscht wird am neuen Schnupfenmedikament von Andreas Neher und seinem Team bereits seit längerem. Jetzt steht ein Durchbruch bevor, der quasi jedem Menschen Erleichterung verschaffen wird, der Schnupfen hat. Die Forscher der Innsbrucker Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und des Departments für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck haben Kortikoide unter die Lupe genommen und ihre Wirkung auf Schnupfenviren untersucht.

Andreas Neher und Markus Nagl vermuteten schon länger, dass diese Kortikoide nicht nur eine entzündungshemmende Wirkung haben, sondern auch Bakterien abtöten können. Mit Nehers neuem Medikament soll der Schnupfen dann gleich "an seiner Wurzel" bekämpft werden. "Wir wollen mit dem Spray das Virus, also den Auslöser des Schnupfens, bekämpfen", erklärt Neher sein Weltpatent.

Keine Taschentücher mehr

Besonders verlockend für Schnupfenpatienten der Zukunft: Wird das Schnupfenmedikament rechtzeitig eingenommen, bricht der Schnupfen erst gar nicht aus. "Damit erspart man sich eine Woche Kranksein", sagt Neher. Denn auch die Begleiterscheinungen des Schnupfens, etwa die rinnende Nase, die tränenden Augen, Atembeschwerden oder die Müdigkeit blieben damit aus

Neu an diesem Präparat sei der Einsatz von Kortison, genau gesagt von Kortikoiden, erklärt Neher. Üblicherweise gelte unter Ärzten die Devise, bei akuten Infekten kein Kortikoid einzusetzen. Neher und sein Team haben aber herausgefunden, dass Kortikoide sogar antibakteriell wirken.

"Normalerweise heißt es, dass Kortikoide im Körper die Immunabwehr unterdrücken", erklärt der HNO-Arzt. In diesem Fall, also im Falle eines Schnupfen, handle es sich aber um eine "lokale Anwendung", eben durch einen Spray in die Nase. An der Abteilung für HNO habe man aber grundsätzlich weniger Berührungsängste mit Kortison, erklärt Neher die Richtung der Forschungsarbeit.

Kortikoide würden im HNO-Bereich einfach schneller verschrieben, weil zur Ausheilung von Krankheiten im Kopfbereich in der Regel eine rasche Abschwellung des Gewebes wichtig sei, sagt Neher. Bisher wurden Kortikoide gegen Entzündungen eingesetzt, neu ist, dass sie gegen Infektionen und gegen gewisse Bakterien und Pilze wirken.

Mit dem neuen Medikament entfallen auch die "schlimmen" Komplikationen, die ja sogar beim einfachen Schnupfens auftreten können: Etwa die bakterielle Infektion des Schnupfens oder die Sinusitis, also die Entzündung der Nasennebenhöhlen. Auch die Weiterentwicklung des Schnupfens in einen grippalen Infekt wird durch die Verhinderung der Schleimentwicklung mit dem neuen Spray deutlich herabgesetzt.

Großer Endspurt

Zum Weltpatent angemeldet wurde das neue Medikament bereits Ende vergangenen Jahres. Eine Pharmafirma hat ebenfalls bereits Interesse bekundet, erzählt Neher. Er rechnet noch dieses Jahr damit, das Patent zu bekommen.

Vier klinische Studien mit rund 200 Patienten wurden an der Universitätsklinik Innsbruck in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt. Geplant sind im Vorfeld der Zulassung des Medikaments in der sogenannten Phase B noch Zulassungsstudien an HNO-Abteilungen der Kliniken in München und Salzburg.

Die Verträglichkeit des Kortikoides im Spray sei kein Problem: Die Substanz werde vom Körper immerhin selbst produziert. Und auch "süchtig" werde das Mittel nicht machen, verspricht Neher. Der Spray werde aber, wenn er in den Handel kommt, nur auf Rezept erhältlich sein. (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2009)

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    Das Ende der Rotzglocke? Chronisch Verschnupfte können auf ein neuartiges Schnupfenmittel in Sprayform Ende des Jahres hoffen.

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