"Wir müssen die Ärmel aufkrempeln"

30. Jänner 2009, 17:41
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Oberösterreichs Verbandspräsi­dent Leo Windtner will nicht der Favorit auf das Amt des ÖFB-Präsidenten sein

Wien/Linz - "Ich sehe das indifferent." Leo Windtner (58) lässt sich weder Prophezeiungen noch Vorfreude entlocken. Sollte er tatsächlich am 22. Jänner vom ÖFB-Wahlausschuss zum Kandidaten für das Amt des Präsidenten gekürt werden, würde ihn das doch überraschen. Sagt er. "Ich bin nicht der zwingende Kandidat", sagt er, "es gibt einige. Ich gehöre auch dazu."

Das hat er bisher nicht zugegeben. Die Strukturreform des ÖFB, welche die Trennung von operativem (Generalsekretär Alfred Ludwig wird zum Generaldirektor Alfred Ludwig befördert) und quasi aufsichtsrätlichem, jedenfalls ehrenamtlichen Bereich (Präsident, Direktorium) vorsieht, macht es Managern wie Windtner jedenfalls leichter, sich den Sanierungsfall ÖFB anzutun.

Windtner arbeitet als Vorstandsvorsitzender der Energie AG Oberösterreich, eines in Österreich, Süddeutschland, Tschechien und Ungarn tätigen Konzerns, der Energie herstellt, Müll entsorgt und Wasser managt. Nebenbei hat sich Windtner seit vielen Jahren vor allem die Nachwuchspflege im ÖFB zu Herzen genommen.

Ohne seinen Einfluss wäre wohl der "österreichische Weg" nicht eingeschlagen und die Person und Funktion des Technischen Direktors Willi Ruttensteiner nicht installiert worden.

Windtners von vielen als kompromisslos empfundene Art verstört manchen Funktionär, ihn selber stört Gegenwind keineswegs. Windtner: "Wir haben in den vergangenen Jahren dank unseres Ausbildungssystems im Nachwuchs zum mitteleuropäischen Niveau aufgeschlossen", sagt er, ohne seinen Beitrag zu negieren.

Als Manager eines Konzerns weiß er aber im Unterschied zu anderen, dass das System (noch) nicht optimal arbeitet. Windtner: "Wir haben ein krasses Stürmerproblem. Es stimmt natürlich, dass wir die Individualförderung und die Pflege kreativer Talente verstärken müssen. Der Fußball lebt vom außergewöhnlichen Individuum. Das zweite Problem ist sicher die mangelnde Synchronisation der 18-Jährigen in den erwachsenen Wettspielbetrieb."

Der Katze alte Beine

Die umstrittene, laut Windtner voreilig beschlossene Reduktion der Zweiten Leistungsstufe der Bundesliga (Erste Liga) ist so ein heißes Eisen. Windtner: "Hier fällt die Katze wieder auf alte Beine." Eine Reform, die ein Rückschritt ist? Ja, meint Windtner, man müsse das Format diskutieren, Salzburgs Sportdirektor Heinz Hochhauser sei anderer Meinung als Bundesliga-Präsident Martin Pucher. Windtner war vehement gegen die Reduktion der Zwölfer-Erste-Liga auf zehn Vereine und den quasi diktatorischen Ausschluss der Amateur-Abteilungen der Wiener Austria und Red Bull Salzburgs. Es könne doch nicht sein, dass ein noch vor wenigen Jahren als zukunftsweisend gelobtes Projekt wegrationalisiert werde.

Der Liga neue Regeln

Auch im ÖFB rumore es, die Diskussion um die eventuelle Abschaffung der Regionalligen liegt dem Verband schwer im Magen. Der Osten finde sie okay, Franz Grad, seit seinem Engagement bei Pasching einer der bekanntesten Vereinsmachatscheks Oberösterreichs, wolle sie kurzerhand abschaffen.

Der Aufbau des Nationalteams sollte nach Ansicht Windtners eher langfristig betrachtet werden, jedenfalls erhebt er im Gegensatz zum interimistischen ÖFB-Präsidenten Kurt Ehrenberger keine Einwände gegen die Person des Teamchefs Karel Brückner.

Kurz: Wo man hinschaut, offene Baustellen. Mit dem präsumptiven Generaldirektor Ludwig vertrage er sich gut, so Windtner. Ludwig sei ein absoluter Fachmann. Auch wenn er, Windtner, es nicht sehr geschätzt habe, dass der scheidende Präsident Friedrich Stickler seinen Generalsekretär Ludwig noch schnell zum Präsidenten machen lassen wollte. Windtner: "Da muss ich mich schon fragen, was sich jemand dabei denkt, der in so einer Form geht."

Rapids Ex-Präsident Günter Kaltenbrunner ist derzeit wohl Windtners einziger ernsthafter Konkurrent um den ÖFB-Thron. Zu den Gerüchten, es handle sich um ein Match Raiffeisen Oberösterreich (Windtner) gegen Raiffeisen Wien-Niederösterreich (Kaltenbrunner), will er nicht Stellung nehmen.

Er macht jedenfalls nicht den Eindruck, als würde es ihm an Programm oder Problembewusstsein für den Fall mangeln, zum ÖFB-Präsidenten gewählt zu werden. Der These, dass der Präsident, Ehrenamt hin, Ehrenamt her, mit dem Direktorium die Richtlinienkompetenz hat und auch ausüben muss, stimmt er voll zu. Windtner: "Wir müssen die Ärmel aufkrempeln." Der ÖFB-Präsident dürfe sich nicht "Glanz und Gloria im Vorbeigehen" erwarten. Eher einen knochenharten Job, in dem sich viele Probleme der Republik symbolisch verdichten.

Mit dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel habe er die mangelhafte Bewegungs- und Gesundheitserziehung in den Schulen (Stichwort ÖVP-Körperfeindlichkeit, SPÖ-Lahmheit) besprochen. Dafür könnte der ÖFB mehr Geld, auch von der öffentlichen Hand, brauchen. Windtner: "Wir kennen die Studien über die Fettleibigkeit und die Bewegungsarmut der Kinder und sollten mehr, und nicht weniger dagegen unternehmen." Der Kicker mag als Adabei verwurschtbar sein, der ÖFB-Präsident sollte es nicht sein. Windtner: "Ich eigne mich nicht zum Seitenblicke-Exponenten." (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 19.01.2009)

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    Leo Windtner, ein ÖFB-Kandidat.

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