Plötzlich Betrügerin

18. Jänner 2009, 18:12
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Die Hoffnung auf ein faires Verfahren hält mich aufrecht

Es war die Polizei, die jüngst frühmorgens anrief. Ob man am 22. Dezember in St. Pölten unterwegs war? Gewagte Frage um diese nachtschlafende Zeit; ich war schon froh zu wissen, wo ich jetzt gerade war (in meinem Bad).
Mir wurde nachgeholfen: Mein Auto, meine Schuhe und Hosensaum (also wahrscheinlich ich: es gibt ein Video) hätten dort um 32 Euro 80 getankt.

Keine Ahnung, kann schon sein. Das Kurzzeitgedächtnis schwindet, nach ein paar Tagen in den hohen Bergen überhaupt, vielleicht Sauerstoffmangel? Doch der Trost, dass ich immerhin wusste, verreist gewesen zu sein, hielt nur einen Atemzug. Denn, so erklärte der Polizist, der sich nun als Ermittler in einem Tankbetrugsfall entpuppte: "Sie haben nicht bezahlt."

Herzpochen im Hals, Alarm im Kopf. Der Hauch einer Erinnerung, damals Bargeld bei sich gehabt zu haben, manifestierte sich nach der erfolglosen Suche nach der Rechnung. Kein Beweis, keine Chance.
Ich habe also noch einmal (?) bezahlt. Die Hoffnung auf ein faires Verfahren hält mich aufrecht. Doch die Nächte sind sinister und ahnungsvoll. Unlängst träumte mir, ich spielte Schach. Mit Helmut Elsner. (gra/DER STANDARD-Printausgabe, 19. Jänner 2009)

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