Neue Bankenhilfe aus London

17. Jänner 2009, 15:32
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Barclays-Ausblick nach Crash

London - Die Regierung in Großbritannien arbeitet laut Medienberichten an einem neuen Rettungspaket in Milliardenhöhe für die angeschlagenen Banken. Diskutiert werden neben neuen Garantien für Leihgeschäfte und der Auslagerung fauler Kredite und Anlagen auch die Gründung einer sogenannten "Bad Bank" und "Good Bank". Regierung und Finanzbehörden wollten das Paket demnächst vorstellen, hieß es in den Berichten vom Samstag.

Premierminister Gordon Brown forderte die Banken auf, reinen Wein über das Ausmaß ihrer faulen Kredite einzuschenken. Zugleich warnte er in der "Financial Times" vor einer finanzpolitischen Isolation, bei der sich die Banken auf ihre Heimatmärkte zurückziehen.

Mit einem ungewöhnlichen Schritt versuchte unterdessen die Großbank Barclays ihre verunsicherten Anleger zu beruhigen. Nach einem drastischen Kurseinbruch gewährte die Bank einen vorgezogenen Einblick in ihre Bilanzen und stufte ihren Gewinn vor Steuern für 2008 über den von Analysten vorhergesagten Wert von 5,3 Milliarden Pfund (5,96 Mrd. Euro) ein. Für den Einbruch der Papiere auf dem Londoner Börsenparkett gebe es keine Rechtfertigung, hieß es in der Stellungnahme des Bankenvorstands.

"Bad Bank"

Um das lahmende Kreditgeschäft wieder anzukurbeln, könnte der Staat nach Informationen des "Daily Telegraph" auf Kosten der Steuerzahler eine "Bad Bank" (Schlechte Bank) gründen und faule Kreditpapiere der Großbanken von bis zu 200 Milliarden Pfund darin übernehmen. Bisher belasten diese Ramsch-Anlagen die Bilanzen der Großbanken und hemmen das Kreditgeschäft.

Gleichzeitig könnte die Regierung laut dem Bericht die bereits verstaatlichte Bank Northern Rock als "gute Bank" nutzen, um Privatleuten und Unternehmen dringend benötigte Kredite zu geben, die die Großbanken nicht ausreichend zur Verfügung stellen.

Im Oktober hatte die Regierung ein erstes großes Hilfspaket im Volumen von 500 Milliarden Pfund für die Banken aufgelegt. Neben Garantien für Leihgeschäfte und frischem Geld der Notenbank für den Finanzkreislauf konnten sich die Banken im Tausch gegen Aktien auch mit direkten Finanzspritzen vom Steuerzahler versorgen. Bisher nahmen die Royal Bank of Scotland, die Halifax Bank of Scotland und Lloyds TSB davon insgesamt 37 Milliarden Pfund in Anspruch. Die beiden anderen Großbanken HSBC und Barclays verzichteten bisher auf direkte staatliche Finanzspritzen.

Barclay-Aktien eingebrochen

Die Aktien von Barclays waren am Freitag nach einem stabilen Tag an der Börse in der letzten Handelsstunde deutlich eingebrochen und hatten fast 25 Prozent an Wert verloren. Der Wertverlust fiel mit den Nachrichten aus den USA zusammen, wonach sich der Finanzkonzern Citigroup wegen Milliardenverlusten aufspalten und die Bank of America Staatshilfen in Anspruch nehme muss. Hinzu kamen Spekulationen, dass auch die britische Bankenwelt neue Hilfen vom Steuerzahler braucht.

Analysten wiesen darauf hin, dass die Verluste zeitlich mit dem Ende des Verbots sogenannter Leergeschäfte zusammenfielen. Bei diesen monatelang verbotenen Börsenwetten verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie dann als Gewinn ein. (APA/dpa)

 

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