Südkorea nach Drohungen in Alarmbereitschaft

20. Jänner 2009, 11:03
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Präsident Lee als Verräter bezeichnet - Beobachter sehen Zusammenhang mit Vereidigung von Barack Obama

Seoul - Südkorea hat nach Drohungen aus dem Norden seine Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Seoul verlautete am Sonntag, es gebe keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen in Nordkorea. Trotzdem seien die Streitkräfte auf alles vorbereitet. Nordkorea hatte den Süden am Samstag vor einer militärischen Konfrontation gewarnt.

Die Koreanische Volksarmee bezeichnete den südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak als Verräter und warf ihm vor, eine militärische Provokation zu planen, wie die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete. Außerdem bekräftigte der kommunistische Norden, er werde eine umstrittene Seegrenze mit dem Süden nicht anerkennen. Lee und seine "Kriegstreiber" müssten erkennen, dass sie einen hohen Preis für den von ihnen gewählten Weg der Konfrontation bezahlen müssten.

Drohungen in Richtung Obama

Beobachter gingen davon aus, dass die Äußerungen aus Pjöngjang eher an den künftigen US-Präsidenten Barack Obama als an Südkorea gerichtet waren. "Nordkorea will Obamas Aufmerksamkeit erringen", sagte Professor Kimg Yong Hyun von der Dongguk-Universität in Seoul. Offenbar wolle das nordkoreanische Regime seinen Forderungen nach einem Friedensvertrag und diplomatischen Beziehungen zu Washington auf diese Weise Nachdruck verleihen.

Südkorea hat die Anschuldigungen aus dem Norden zurückgewiesen und wiederholt zum Dialog aufgerufen. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben sich verschärft, seit Lee vor fast einem Jahr sein Amt antrat und eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang ankündigte. Südkorea bereitet sich seitdem auf mögliche Seegefechte im umstrittenen Grenzgebiet vor und hat der Marine und Fischerbooten äußerste Zurückhaltung auferlegt.

Ein US-Wissenschaftler erklärte unterdessen, Nordkorea verfüge über waffenfähiges Plutonium für vier bis fünf Sprengköpfe. Selig Harrison vom Zentrum für internationale Politik in Washington sagte nach einem Besuch in Nordkorea, Inspektionen der Sprengköpfe würden nicht erlaubt. Nordkorea wolle auch nicht mitteilen, wann es die Waffen aufgeben werde. Harrison erklärte weiter, Nordkorea hoffe auf bessere Beziehungen zu den USA unter Obama. (APA/AP)

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