Dunkle Diva auf Rätselrallye

    17. Jänner 2009, 11:31
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    Mit "A Vampyre Story" untot um die Ecke denken

    Mona De Laffite ist elegant, aber unglücklich. Die Dame will nicht wahrhaben, dass sie nach Blut dürstet. "Salziger Merlot mit starker Eisennote im Abgang" klingt in ihren Ohren viel besser. Das Schicksal hat der Pariser Operndiva übel mitgespielt: Der fies-verliebte Vampir-Baron Shrowdy von Kiefer hat sie zu seiner untoten Braut gemacht und sie auf seinem Schloss in "Draxsylvanien" eingesperrt. Nicht einmal als Shrowdy von Vampirjägern per Holzpfahl in einen ausgefransten Geist verwandelt wird, will er Mona gehen lassen. Die Dunkle mit französischem Akzent hat nur Fledermaus Froderick auf ihre Seite, um aus dem Schloss zurück nach Paris zu flüchten.

    Comeback

    Das schon totgeglaubte Adventure-Genre meldet sich in letzter Zeit gelegentlich mit Referenzen an die gute alte Zeit, Anfang der 90er-Jahre, zurück, als LucasArts mit "Secret of Monkey Island" und Konsorten Klassiker schrägen Spielehumors schuf. Auch das Rätselabenteuer A Vampyre Story will vom Kult der alten Tage profitieren. Designer Bill Tiller, der schon damals dabei war, kreierte mit der Variation des unverwüstlichen Blutsaugerstoffs eine pittoreske Comicwelt in Blau- und Lilatönen, die sich neben den Vorgängern aus der Spielewelt an dunklen Filmspäßen Tim Burtons ("Corpse Bride"), geglättet mit einem Schuss Disney, bedient. Das Ambiente, das dieser Mischung entspringt, bleibt größte Stärke des Spiels.

    Intuitiv

    Die Steuerungsoptionen der zweidimensionalen Spielwelt (Schauen, Nehmen, Sprechen, sich in eine Fledermaus mit langen Wimpern verwandeln) lassen sich einfach und intuitiv verwenden. Dafür sind die Rätselanordnungen, die damit bewältigt werden müssen, umso härter und manchmal auch etwas bemüht und abseitig. Ein Beispiel? Der Plan, wie Gargoyle Rufus ein Schlüssel abzunehmen ist, sieht etwa so aus: Beim Raben Edgar muss Mona eine Zeitung gegen eine Wäscheklammer eintauschen und damit Froderick die Nase zuzwicken, damit er "Leichen-Dörrfleisch" besorgen kann. Das wiederum beflügelt die Verdauung des Raben auf dem Turm, was Rufus dazu verleitet, den Platz zu wechseln, worauf man eine Statue auf ihn werfen kann ... - Geradliniges Denken ist da eher ein Hindernis.

    Halblustig

    Wer das schon nicht lustig findet, wird mit den Dialogen ein Problem haben, die eindeutig den Schwachpunkt der halbdunklen Rätselrallye markieren: Trotz Monas "Oh merde!" und netten französischen Untertönen gehen Wortwitz und Gags, die eigentlich wesentliches Standbein des Spiels sein sollten, selten über bemühte Halblustigkeit hinaus. Lauwarmes Geplänkel wie "So ein Mord kann dich umbringen", ist nicht lustig. Das, muss man zugeben, hat das Mitte 2008 erschienene, sehr ähnlich aufgebaute Abenteuer "Edna bricht aus" witziger und origineller hinbekommen. (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 17.1.2009)

    • Wo geht's hier nach Paris? Mona muss sich mit Fledermaus Froderick
durch die Comicwelt von Draxsylvanien schlagen.
      Foto: Hersteller

      Wo geht's hier nach Paris? Mona muss sich mit Fledermaus Froderick durch die Comicwelt von Draxsylvanien schlagen.

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