Hohe Gebühren auch bei Scheitern

16. Jänner 2009, 20:30
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"Unbedingt auf Klauseln in den Verlosungsbedingungen achten", sagen Experten - Finanzministerium zieht derzeit kein Verbot in Erwägung

Bei den derzeit gerade sehr beliebten Häuserverlosungen werden die steuerlichen Risiken leicht übersehen. Abgaben fallen nämlich auch dann an, wenn die Lotterie etwa wegen zu geringer Teilnehmerzahl nicht stattfindet. Dabei können sowohl gebührenrechtliche als auch grunderwerbsteuerrechtliche und eventuell auch einkommensteuerrechtliche Kosten entstehen. Wobei bei derartigen "Spielen" zwei Rechtsgeschäfte vorliegen: Zum einen die Verlosung selbst und zum anderen die Übertragung der Liegenschaft, darauf hat die LBG Wirtschaftstreuhand Österreich hingewiesen.

Zwölf Prozent vom Gesamtwert

Nachdem die Hausverlosung nicht unentgeltlich erfolgt, sondern die Lose zu bezahlen sind, muss dafür eine Rechtsgeschäftsgebühr für Glücksverträge abgeführt werden. Im konkreten Fall mache das zwölf Prozent vom Gesamtwert der ausgegebenen Lose aus. Auch wenn die Verlosung nicht zustande kommt, muss der Verkäufer die zwölf Prozent der Summe aller aufgelegten Lose als Gebühr entrichten. Schlimmstenfalls kann das für den Verkäufer so ausgehen, dass er auf seinem Haus sitzen bleibt und trotzdem eine Gebühr von rund 69.000 Euro zu entrichten hat - wenn man beispielsweise von einem Gesamtbetrag von 577.720 Euro (8.888 Lose zu je 65 Euro) ausgeht.

Sobald die Lotterie vorbei ist, fällt für das zweite Rechtsgeschäft - die Übergabe an den Gewinner - die Grunderwerbssteuer an. Mit einem Übergabevertrag wird die Eintragung des Gewinners in das Grundbuch möglich. Auch dafür fallen Kosten an.

Die Grunderwerbsteuer liegt bei 3,5 Prozent der Bemessungsgrundlage. Diese wird laut LBG Wirtschaftstreuhand ebenfalls von der Gesamtheit der tatsächlich verkauften Lose berechnet. Hinzu kommen noch die Kosten für die Eintragung ins Grundbuch, welche ein Prozent der gleichen Bemessungsgrundlage ausmacht.

Auf Klauseln achten

Die derzeitig üblichen Vertragsbedingungen sehen vor, dass die Grunderwerbsteuer vom Hausverloser übernommen wird. Es ist aber auch denkbar, dass bei manchen Lotterien dem Gewinner die Verpflichtung dafür auferlegt wird. Auf die entsprechende Klausel in den Verlosungsbedingungen ist somit zu achten, warnen die Experten.

Auf den Verloser können letzten Endes auch noch Einkommensteuer-Zahlungen zukommen. Nämlich dann, wenn er das Objekt in den vergangenen zehn Jahren entgeltlich erworben hat und somit den Spekulationstatbestand erfüllt. Die Spekulationssteuer entfällt allerdings, sobald der Besitzer zwei Jahre lang seinen Hauptwohnsitz in dem Objekt angemeldet hat.

Finanzministerium denkt nicht an Verbot

Wegen all dieser "rechtlicher Schwellen" denke man im Finanzministerium derzeit nicht an ein Verbot der Hausverlosungen, wie Sprecher Harald Waiglein am Freitag betonte. Anders der Geschäftsführer von s Real, Michael Pisecky. Er geht davon aus, "dass der Zauber bald vorbei sein wird und Immobilienverlosungen relativ schnell verboten werden".

Er weist darauf hin, dass nach dem etwaigen Zuschlag bei einer Hausverlosung auf den Gewinner Rechtsanwalts- und Behördenwege warten. "Nachdem ich nicht weiß, was ich da eigentlich gewonnen habe, brauche ich einen Fachmann, der das Haus schätzt und prüft, damit ich überhaupt weiß, was ich da habe und was es wert ist." Man wisse außerdem nicht, ob das Gebäude nicht belastet sei oder ob Mieter drinnen wohnen. "Ich kenne auch die Flächenraumplanung dort nicht", sagt er. "Und es kann auch sein, dass ich mir die laufenden Kosten gar nicht leisten kann oder dass ich eine neue teure Heizung brauche." Das Haus könne desolat oder wertlos sein, weil es auf einen rutschenden Hang steht.

Die Verkäufer entscheiden sich möglicherweise für eine Verlosung, weil sie auf üblichem Wege nicht den gewünschten Preis bekommen. Da stelle sich die Frage, ob das Haus nicht attraktiv genug ist, meinte der Immobilienexperte. Verlosungen oder Versteigerungen machen nur bei extrem raren Immobilien Sinn "etwa, wenn ich 20 Interessenten habe, die sie unbedingt haben wollen". (APA/red)

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