Der Disco-Prinz und ein Raubversuch

16. Jänner 2009, 19:09
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Autonummer nach Überfall notiert - Freunde und der Bruder geben Alibi

Wien - Ein warmer Septembertag im vergangenen Jahr; die bosnische Community vom 16. und 17. Bezirk ist unterwegs. Das übliche Hin und Her der jungen Männer und Frauen: An dem Tag habe um 16 Uhr Alma angerufen, erinnert sich Adis (21). Sie wollte den Kerl kennenlernen, den sie am Samstag davor in der Disco gesehen habe.

Da habe sich einer von Adis Freunden für diese Discobekanntschaft ausgegeben. Man habe sich in der Mariahilfer Straße getroffen und schnell war klar, dass der mitgebrachte Erol nicht der Disco-Prinz war. Dann müsse es wohl Michael gewesen sein, hieß es. Das Mädchen und ihre zwei Begleiterinnen bekamen eine Adresse und man trennte sich. Die Mädchen fuhren in ihrem Cabrio, die Burschen in Adis' blauem Fiat. Diesen Fiat hätten sich dann Seko und Erol ausgeborgt, sagt Adis. Die Mädchen hätten noch einmal angerufen - die Adresse war falsch und sie wollten Michael treffen. Sofort.

Da sei er zu ihnen in den 16. Bezirk gefahren, sei dort ins Cabrio eingestiegen und man sei in die Wattgasse gefahren, wo Michael wirklich wohnte. Dort seien sie so gegen 18 Uhr auf der Straße gestanden, hätten auf den Disco-Schwarm gewartet, der oben noch duschte. Da sei Adis Bruder kurz vorbeigekommen. Später sei Michael runtergekommen. Und dann hätten noch Seko und Erol kurz mit dem Fiat in der Wattgasse angehalten und seien dann aber wieder weitergefahren.

So erzählt es Adis, das bestätigt sein Bruder, auch die Mädchen und Michael. Nur der Sohn eines Trafikanten im 16. Bezirk bestätigt etwas ganz anderes: Sein Vater wurde an diesem Tag kurz vor 18 Uhr von zwei Männern überfallen. Einer zückte ein Messer, sagte "Kassa machen, Geld her, schnell, schnell." Der Vater schrie: "Hau ab, sonst kommt die Polizei!"

Und sie hauten ab. Der Sohn, der in der Trafik war, lief ihnen nach, sah sie in ein Auto einsteigen, notierte das Kennzeichen und sah den Fahrer und seinen Beifahrer.

Adis sagt: Das müssen Seko und Erol gewesen sein. Seko sagt, er habe sich das Auto gar nicht ausgeborgt. Und der Sohn des Trafikanten - erkennt Adis: "Hundert Pro, das ist er." Der junge Mann wird schließlich freigesprochen. Im Zweifel für den Angeklagten. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.1.2009)

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