In Moskau und Kitzbühel

16. Jänner 2009, 19:12
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Moskau war aus dem Häuschen - Das unterscheidet die russische Hauptstadt von der österreichischen - Hier mag sich der FP-Obmann discomäßig aufplustern ...

Moskau war aus dem Häuschen. Das unterscheidet die russische Hauptstadt von der österreichischen. Hier mag sich der FP-Obmann discomäßig aufplustern, was das Gel hergibt - den Bürgermeister kostet das ein müdes Njet. Dort weiß der Bürgermeister sein Glück nicht zu fassen, wenn Strache ihn heimsucht. Und im unmittelbaren Nachfeld hat dieses Treffen Strache - Luschkow ein großes mediales Echo in Moskau nach sich gezogen. Bis nach Wien hat sich dieses Echo nur dank der "Neuen Freien Zeitung" gezogen, und dort war der Nachhall im unmittelbaren Nachfeld dieses welthistorischen Meetings im Dezember nicht nur groß, sondern ausgesprochen ergreifend.

Das FPÖ-Bildungsinstitut organisierte eine mehrtägige Reise nach Rußland, bei der eine hochrangige FPÖ-Delegation mit dem Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow, Vertretern des Moskauer Patriarchats, der Staatsduma und mit Abgeordneten der Partei "Einiges Rußland" zusammenkam. Die Hochrangigkeit der FPÖ-Delegation muss den Oberbürgermeister ebenso wie die Vertreter des Moskauer Patriarchats entzückt haben, fand sie ihre Inkarnation doch in sechs so hohen Rängen wie Strache, dem außenpolitischen Sprecher der FPÖ Hübner, Generalsekretär Vilimsky, FPÖ-Ehrenobmann und Präsidenten des FPÖ-Bildungsinstituts Kabas als Höchstgetortetem, dem Wiener Landtagsabgeordneten Johann Gudenus und Dr. Barbara Kappel (Geschäftsführerin Austrian Technologies). Ein Foto zeigt die FPÖ-Delegation zu Besuch in Rußland, darauf sind sechs Herren abgebildet. Die Geschäftsführerin Austrian Technologies war für ein Lichtbild nicht hochrangig genug.

Im Moskauer Rathaus traf die FPÖ-Delegation mit dem Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow zusammen. Der Gedankenaustausch dauerte eineinhalb Stunden und verlief sehr herzlich. Thema war primär der Ausbau von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wien und Moskau bzw. Österreich und Rußland. Welche Gedanken dabei ausgetauscht wurden, war trotz der Bedeutung des Themas für alle Wienerinnen und Wiener bzw. Österreicherinnen und Österreicher dem Blatt nicht zu entnehmen. Sie könnten von ähnlicher Tiefe gewesen sein wie jene, die seinerzeit Straches außenpolitisches Vorbild Jörg Haider mit Gaddafi ausgetauscht hat. Die Früchte auch dieses Gedankenaustausches hat man dem Publikum ja lieber vorenthalten.

Nachdem man noch sehr offene Worte über den Kaukasus-Konflikt, die Finanzkrise, Serbien und den Kosovo sowie vor allem auch über die Rolle der Europäischen Union gewechselt hatte, stand einer moskowitisch-freiheitlichen Verbrüderung nichts mehr im Wege. Luschkow lud Strache zum Wien-Ball in Moskau sowie nach Kitzbühel zu einer weihnachtlichen Veranstaltung seiner Gattin ein, um diese begonnene freundschaftliche Beziehung zu vertiefen und wirtschaftliche Potentiale zu diskutieren. Seltsam, dass dieses Treffen Strache - Luschkow nur im unmittelbaren Nachfeld Moskaus, nicht auch Kitzbühels ein großes mediales Echo nach sich gezogen hat.

Wenn Strache Außenpolitik macht, geht was weiter. Kaum hat die freundschaftliche Beziehung in Moskau begonnen, wird sie auch schon mit der Diskussion wirtschaftlicher Potentiale in Kitzbühel weihnachtlich vertieft. Strache dürfte bei der Demonstration seiner wirtschaftlichen Potenz nur leider vergessen haben, auf korrekte Gaslieferungen nach Österreich zu drängen, aber das wird sich bei der nächsten Veranstaltung der oberbürgermeisterlichen Gattin in Kitzbühel sicher nachholen lassen.

Unmittelbar nach dem Treffen Strache - Luschkow wurden der FPÖ-Obmann und die Delegation vom Moskauer Patriarchat empfangen. Dort konnte man zwar mit keiner Gattin in Kitzbühel aufwarten, was Strache aber nicht bremste. Er sprach in diesem Zusammenhang die Bedeutung der christlichen Werte in Europa an, die Verbundenheit der christlichen Gemeinschaft und den damit verbundenen Auftrag für Kirche und Politik, Europa wieder eine Seele zu geben. So kann sich auch der Papst freuen, dass Strache ihm eine Arbeit abgenommen hat.

In der Staatsduma erachtete es Strache auch als große Ehre, zu einem parlamentarischen Gedankenaustausch mit höchstrangigen Vertretern der Duma zusammenkommen zu dürfen und dabei an der Vertiefung der Beziehungen zwischen den beiden Parlamenten mitarbeiten zu dürfen. Schade, dass der blauen Delegation nicht auch Martin Graf angehört hat. Was hätte der in der Duma nicht alles vertiefen können! (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.1.2009)

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