"Eine Generation von Gaza-Kindern verloren"

16. Jänner 2009, 19:01
14 Postings

Unicef warnt vor psychologischen Schäden bei palästinensischen Kindern

Kinder unter Beschuss: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas droht, laut Kinderhilfswerk Unicef, schwere psychische Schäden bei den Mädchen und Jungen im Gazastreifen zu provozieren. "Wir befürchten, dass eine zukünftige Generation von Gaza-Kindern verloren sein wird", sagte die Unicef-Regionaldirektorin für den Nahen Osten, Sigrid Kaag, am Freitag in Genf. Kaag sprach telefonisch aus Jordaniens Hauptstadt Amman zu Journalisten.

Sie betonte, dass die Mädchen und Jungen einer seelischen Zerreißprobe ausgesetzt seien: "Bettnässen, Albträume und Appetitlosigkeit plagen die Kinder", so Kaag. Für Unicef und andere Organisationen sei es in dem Chaos des Konflikts schwer, die traumatisierten Kinder psychologisch zu betreuen. Über die langfristige Einstellung der Gaza-Kinder zu Israel äußerte sich Kaag vorsichtig: "Ich will nicht voraussagen, dass dies zu einer Generation des Hasses führt." Die Unicef-Direktorin sagte auch, dass immer mehr Kinder im Gazastreifen an Mangelernährung litten. Frauen könnten ihre Säuglinge wegen des Stresses nicht mehr stillen. "Kinder und Frauen tragen die Hauptlast des Konfliktes", bilanzierte Kaag.

350 Kinder getötet

Seit Ausbruch des Kriegs zwischen Israel und der Hamas am 27. Dezember starben nach UNO-Angaben fast 350 Kinder, rund 1700 Kinder wurden verletzt, manche sehr schwer. Die UNO erhob auch schwere Vorwürfe gegen Israel. Einen Tag nach dem Angriff auf das UNO-Hauptquartier in Gaza-Stadt sagte John Ging, der Leiter des Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge, UNWRA, am Freitag: Die Israelis hätten gewusst, dass sich auf dem Gelände der UNO auch 700 palästinensische Flüchtlinge aufhielten. Er äußerte sich ebenfalls bei einer Telefonkonferenz in Genf. "Sie waren umfassend informiert", so Ging. "Wie durch ein Wunder kam bei dem Angriff niemand ums Leben." Inzwischen führte UNWRA die 700 Flüchtlinge an andere Orte. Nach dem Beschuss durch die israelischen Streitkräfte ging ein UNO-Lager mit hunderten Tonnen Medikamenten, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern in Flammen auf . Die Schweiz beantragte als Depositarstaat der Genfer Konventionen im UN-Menschenrechtsrat eine Untersuchung. (Jan Dirk Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.1.2009)

 

 

Share if you care.