Frequently asked questions

16. Jänner 2009, 18:21
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Manche Leserreaktionen sind phänotypisch. Hier der Versuch, das zu beantworten:

"Zu Ihrer Kolumne 'Die Israelis werden ihrer Siege nicht froh' vom 3. Jänner 2009: Als Abonnent des Standard lese ich Ihre Kolumnen regelmäßig. Ihre humanistische und demokratische Haltung habe ich zu schätzen gelernt. Anders empfinde ich Ihre Artikel über den Nahen Osten und den Islam. Sie waren anfangs z. B. ein Verfechter der US-Invasion im Irak. Sie verwenden z. B. Begriffe wie ,Dhimmis', vermutlich aus islamophoben Quellen, ohne zu wissen, dass diese Klassenordnung im Nahen Osten seit Generationen nicht mehr existent ist. Ihre Denkweise entspricht hier eher einem ,Kampf der Kulturen' als einer universalhumanistischen." Talib Ch. , Wien

Sehr geehrter Herr Ch., Danke für Ihre differenzierte Betrachtungsweise meiner Arbeit. Wie ich allerdings jederzeit belegen kann, habe ich schon vor dem abzusehenden Irakkrieg starke moralische und praktische Zweifel geäußert. Der Begriff "Dhimmi" (nichtislamischer Bürger zweiter Klasse) wird von radikalen Islamisten wie der Hamas heute noch als aktuell aufgefasst. Und eben weil meine Denkweise universal-humanistisch ist, kann ich die antihumanen Elemente in manchen Kulturen (auch der eigenen) nicht übersehen. H. R.

"Ihre Argumentation (zum Thema "Martin Graf/Dritter NR-Präsident" - Anm.) macht für mich nur einen Sinn, wenn man die FPÖ als Nachfolgepartei der NSDAP und Herrn Graf als ,Reformnazi' betrachtet. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass für Sie alle erzkonservativen, national gesinnten Menschen Nazis sind. Das ist für mich persönlich sehr wichtig, denn schließlich möchte ich wissen, ob ich national- erzkonservativ bin oder ob ich mich in Zukunft als Nazi bezeichnen muss." H.-P. W., Salzburg

Sehr geehrter Herr W.: Die FPÖ ist die Nachfolgepartei des Verbandes der Unabhängigen (VdU), nach 1945 ein Sammelbecken für NS-Mitglieder. Mitbegründer von VdU und FPÖ war Anton Reinthaller, SS-Brigadeführer, nach 1945 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Nachfolger war Friedrich Peter, Unteroffizier in einer Waffen-SS-Einheit, die in Russland massenweise Judenmorde beging. Auch unter Jörg Haider war die FPÖ durch NS-Verharmlosung gekennzeichnet. Martin Graf verteidigte die Abhaltung von "Totengedenken" am 8. Mai, die jeweils dünn camouflierte Trauerfeiern für die Niederlage im Zweiten Weltkrieg sind. So viel zur "Nachfolge".

"Konservativ", "erzkonservativ" oder auch "national" ist etwas anderes als "nationalsozialistisch". Die Nazis waren nicht konservativ, sondern revolutionär. Sie wollten die Gesellschaft total umstürzen und dabei auch die konservativen Eliten beseitigen (die Hitler den Weg zur Macht gebahnt hatten). Teile der FPÖ-Ideologie waren/sind national und sozialistisch: Der Staat soll soziale Wohltaten verteilen, allerdings nur an die eigenen "Volksgenossen". Viele "Nationalkonservative" wollen aber leider trotzdem aus dem NS-Wahnsinn irgendetwas "Positives" retten (etwa das "Anti-Linke") - und beschädigen sich damit selbst. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.1.2009)

 

 

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