Viel Kohle mit Gas

16. Jänner 2009, 17:45
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Zug-Wien-Nicosia: Dmytro Firtash jongliert mit Megaprofit aus Zwischenhandel

Wien - Die umstrittenen Zwischenhändler im ukrainisch-russischen Gasstreit haben enge Verbindungen mit Österreich. Insbesondere deren Primus, der ukrainische Oligarch Dmytro Firtash, der über seine Wiener Holding Centragas Megagewinne einstreift. Die Beteiligung am im Schweizer Steuerparadies Zug beheimateten Gasimporteur RosUkrEnergo (RUE), den er sich mit Gasprom teilt, brachte Firtash im Vorjahr einen Profit von 272 Mio. Euro ein.

Die Allgemeinheit hat vom Vermögenszuwachs des Selfmademan wenig: Die Steuerleistung in Österreich beträgt laut Centragas-Bilanz 456.103,29 Euro. Vom Gewinn schüttete Firtash 245 Mio. Euro an Briefkastenfirmen im zypriotischen Nicosia aus, wo aufgrund attraktiver Holding-Bestimmungen zahlreiche Oligarchen (wie etwa Strabag-Aktionär Oleg Deripaska) ihre Zelte aufgeschlagen haben. Neben der RUE-Beteiligung plante der wegen seiner umstrittenen Mittlergeschäfte von Ministerpräsidentin Julia Timoschenko angefeindete Händler einen großen Deal mit der OMV: Centragas wolle ein Gas- und Ölfeld in Kasachstan erwerben und dieses an den österreichischen Energiekonzern verkaufen, steht im Lagebericht. Es habe Gespräche über das Projekt gegeben, daraus sei aber nichts geworden, versichert dazu die OMV.

Der Kreml nascht mit

Mehr wurde aus der Expansion in anderen Regionen. Seit 2004 wurde der Handel mit Gas in Kasachstan, Turkmenistan, Russland und der Ukraine kräftig ausgebaut. RUE verdiente in diesen Jahren 2,4 Mrd. Euro. Während die einstige "Gasprinzessin" Timoschenko den Zwischenhändler wiederholt als korrupt bezeichnete, dürfte ihm Präsident Viktor Juschtschenko die Stange halten. Der Kreml akzeptierte die Zwischenschaltung von RUE nach dem Gasstreit 2006 - und nascht über die Gewinne von Gasprom kräftig mit.

Firtash verschleierte seine Ambitionen lange und ließ seine RUE-Beteiligung bis 2006 treuhändisch von einer österreichischen Raiffeisen-Tochter (RIAG) verwalten. Die Geschäftsbeziehungen des Grünen Riesen mit dem Energiekonzern waren auch Thema im Banken-Untersuchungsausschuss. Den Vorwurf, dass Firtash mit dem mutmaßlichen "Paten" Semion Mogilevich in Verbindung stehe, der wegen Geldwäscheverdachts in Moskau sitzt, wurde von RIAG-Vorstand Wolfgang Putschek zurückgewiesen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.1.2009)

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    Timoschenkos Intimfeind Dmytro Firtash sahnt mit Gashandel ab.

     

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