"Ohne Angst wird es gefährlich"

16. Jänner 2009, 17:03
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Die "Freeskierin" Eva Walkner befährt Hänge, die unbefahrbar wirken - Dem Zufall darf man dabei aber nichts überlassen

Frage: Lassen Sie sich gern "Extremsportlerin" nennen?

Antwort: Das Wort hat einen komischen Beigeschmack, aber ich nenne mich trotzdem so. "Freeskier" - Leute die im Hindernispark oder im Gelände fahren - sind Extremsportler. Ich verstehe aber nicht, wieso man Extremsportlern nachsagt, hirnlose Wahnsinnige zu sein. Oder dümmer als andere Sportler.

Das Gegenteil stimmt: Das Allerwichtigste ist Planung. Man muss präzise wissen, was man kann - und was nicht. Es geht darum, Risiken zu minimieren: Jeder von uns hat eine profunde Lawinen-Ausbildung, kennt sich mit Schnee und Wetter sehr gut aus. Bevor ich einen "Ride" - also eine spektakuläre Abfahrt - fahre, studiere ich oft tagelang den Hang: Wo fahre ich, wo nicht? Wo könnte etwas passieren - und wo sind "Notausgänge" aus dem Hang? All das sieht man aber auf Fotos und in Videos dann nicht. Aber: Es gehört auch ein Quäntchen Glück dazu - denn ein Restrisiko bleibt. Und damit umzugehen, bedarf es oft enormer mentaler Kraft.

Frage: Um die Angst davor zu überwinden?

Antwort: Auch. Obwohl ich glaube, dass Angst wichtig ist. Männliche Freerider behaupten gern, dass sie keine Angst haben. Ich sage: Das stimmt nicht. Denn sobald die Angst weg ist, wird es gefährlich.

Meine Angst holt mich runter. Sie lässt mich nur das tun, was ich wirklich kann. Und so tastet man sich an seine Grenzen - und schiebt sie immer ein Stückerl weiter: Wenn das eine geht, versucht man das Nächste. Step by step - aber nie wild über die eigenen Grenzen hinaus. Das wäre dann nicht Extremsport, sondern einfach nur dumm. (DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.1.2009)

  • Eva Walkner.
    foto: heiko mandl/ action nikeacg.com

    Eva Walkner.

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