Übers Küssen und andere Sonderbarkeiten

16. Jänner 2009, 16:50
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Jule klagt übers Abschmusen. "Warum die großen Leute bloß immerzu küssen müssen?", fragt sie sich

Manchmal ertappt man sich selbst dabei, Dinge zu tun, die man damals als Kind gehasst hat. Als man sich im wahrsten Sinne gewunden hat, um diesen Aktionen zu entkommen. Mit den Händen die Frisur der Tochter kräftig durcheinanderwuscheln zum Beispiel. Anderes kann rechtzeitig gestoppt werden: etwa der Versuch, Essensreste mittels angefeuchtetem Taschentuch von der Wange zu wischen. Jule klagt übers Abschmusen. "Warum die großen Leute bloß immerzu küssen müssen?", fragt sie sich gleich zu Beginn ihrer ersten Geschichte. Oma, Opa, Tante, Onkel - am Anfang des Besuches, beim Verabschieden und mittendrin. "Jule-Geschichten. Das Blaubeermonster" von Irma Krauß erzählt in 14 Geschichten von der kleinen Jule - und was sie so beschäftigt. Die einzelnen Erzählungen sind kurz gehalten und einfach geschrieben. Empfohlen wird dieses Vorlesebuch für Kinder ab dem vierten Lebensjahr. Humorvoll erzählt Krauß von Jules Freund Adrian, dessen "neuem Papa Markus", von ihrer eigenen Familie und von ihrem Versuch, selbst einmal ein Ei zu legen. "Jule? Was hast du für einen hochroten Kopf? Was machst du da?", fragt ihre Mutter besorgt, „sag mal - du musst doch nicht aufs Klo." Jule bleibt sitzen, denn: "Lass mich! Ich lege ein Ei!" Stilsicher gewährt Krauß Einblick in die Lebenswelt eines kleinen Mädchens. Und die ist offenbar so groß, dass sich auch schon ein zweiter Band ausgegangen ist- und das ist gut so.(Peter Mayr, DER STANDARD-Printausgabe, 17.1.2009)

Irma Krauß

"Jule-Geschichten. Das Blaubeermonster".

10,30 Euro,  70 Seiten

cbj Verlag, München 2008

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